Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

hüte; wenn er vor seines Herren Tisch steht, so sieht ihm 
Immer ein Auge nach der Thüre, ob seineni Herren nichts 
schaden möge, und das andere nach der milden Hand 
des Herren, ob er ihm etwas biete. So hütet einer das 
Vieh vor den Wölfen, ein anderer ist ein Vogelhund u. s. f. 
So dient er Gott, der ihn dem Menschen zu Dienst und 
Nutz geschaffen hat. Wenn der Mensch, bei* Gott nach 
ihm selber gebildet und zu den ewigen Freuden geschaffen 
hat, das alles verschmäht und dem Teufel dient, so lebt 
er ungerechter als Hund, Natter, Spinne und Wolf. Der 
Tod selbst, der euch so greulich dünket, ist gar ein nütz 
liches Ding. Denn woher sollte man Nahrung nehmen, 
wenn alles noch lebte, was je geboren ward? Und er 
ist der beste Arzt, der von allen Nöthen erlöst, wenn 
der Mensch alt und schwach wird und kein Arzt ihm hel 
fen kann. Er macht frei von aller Krankheit, ja auch 
vom Aussatz, den auch die besten Meister nur so heilen 
können, daß die Kraft mit weggenommen wird und der 
Mensch kürzer leben muß. Sollte ein Bettlägriger im 
mer leben, es wäre ihm bester dreimal zu sterben, er 
müßte denn das Himmelreich damit erkaufen. — So ist 
alles, was Gott geschaffen hat, gut und Gott Unterthan, 
außer der böse Engel und der böse Mensch. So ist die 
Sonne, wie sie Gott geordnet hat; sie geht auf und bringt 
den Tag, sie geht unter und bringt die Nacht, und steht nim 
mer still. So nimmt der Mond ab und zu, geht hoch und 
nieder, wird trübe und hell nach Gottes Ordnung. Ihr 
Christcnlcute solltet euch schämen, Genoßen der Teufel zu
	        

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