Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

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Esther. Da hat der mächtige König viererlei Diener an 
seinem Hofe. Die ersten ließ er so sein in seinem Schirm 
und seiner Kost, hatte nicht große Acht auf sie, that ih 
nen nicht viel groste Ehren an, aber auch kein Leid. Den 
zweiten erwies er viel große Ehren; den dritten dasMer- 
beste, beinahe wie ihm selber (Esther 6.X Den vierten 
aber gab er den Lohn nirgends .denn an einem Galgen 
(e. 7.). Der höchsten und mittleren sind, ob Gott will, 
viele vor meinen Augen; der dritten kaum einer oder 
zwei. Denen giebt er den höchsten, den mittleren den 
niedersten Lohn im Himmelreich; den vierten weder im 
Himmelreich, noch in den Lüften, noch auf der Erde, 
noch im Fegfeuer, sondern allein am höllisch«« Galgen. 
Und das sind die meisten. — Die ersten sind die, die 
ohne Hauptsünde irgend einer Art von der Weit schei 
den, und mit der Reinheit ihrer keuschen Jungfrauschaft. 
Die kommen unter das oberste „Gesinde^ auf dem Spie- 
gelberg. Ihnen wird angelegt das königliche Gewand, 
welches ist der somienfarbenc Schein und die Zierde, die 
sie empfahen von dem wonniglichen Anblick Gottes. Ih 
nen wird der königliche Ring an die Hand gestoßen; Vas 
ist die state „Gemahelschaft" der ewigen Freuden mit 
Gott. Es wird ihnen aufgesetzt die königliche Krone, 
das Kranzlein ihrer keuschen Jungfrauschaft, das niemand 
weiter tragt in dem himmlischen Saal. Das königliche 
Pferd bedeutet, daß sie immer auf dem Spiegelberg er 
höhet sind/ mit unaussprechlich großen Ehren. So wer 
den sie geleitet durch die Stadt des himmlischen Jerusa-
	        

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