Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

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die frei hin tsnb her fliegen und schön singen und alle 
zeit fröhlich sind und niemand fürchten und wohl bekleidet 
in mancherlei Farben. Augustinus sagt: die Hoffart wachst 
in dem Reichthum, wie die Made in dem Apfel. Ihr 
reichen Leute/ ihr erdrückt die armen Fischlein mit un 
rechter Gewalt mnd Hoffart und Uebermüth. Und sie 
sind euch doch nicht also befohlen. Gott hat sie an eure 
Seele gelegt, daß ihr darum antwortet am jüngsten Tage. 
So machten es Moses und andere Heilige nicht; denn 
sie liebten Gott von ganzem Herzen. Die haben die 
Schafe Gottes so gepflegt, daß sie nun die ewige Freude 
mit ihm besitzen. Da Er selber ein guter Hirte heißt/ 
so will er auch, daß der seine Schafe wohl Pflege, dem 
er sie befiehlt (vergl. p. it — 15.). Er hat euch ja 
Gut und Ehre darum verliehen. Ihr aber tretet auf 
sie und zerret sie und freßt sie auf bis aufs Gebein an 
Gut und Leib und Ehre und Freunden, ihr haltet den 
Unschuldigen, und laßt den Schuldigen gehen—alles, weil 
ihr Gott nicht fürchten und lieben wollt, und euch fremde 
ist die Demuth. Manche sind bethört, wie Alexander 
(25te Pr.), und wähnen, sie dürfen das thun, Und Gott 
nicht darum fürchten. Solche nehmen aber, wie er, gar 
oft ein schmähliches Eude. Laßt euch genügen an dem, 
was Gott euch „gefügt" hat, und die Armen desselben 
genießen. Ihr aber wißt nicht, wie ihr euch betragen 
sollt mit Gewand und Gebcrden, und traget buntes Ge 
wand, wie die Vögel. Und ihr Frauen thut oft solches 
mit euch, was ihr an anderen verspotten würdet, und an 
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