Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

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fünde geteten. Nu sieht man halt nieman so übel tün, 
alse die pfaffen, und alse unreht, die ez alle tage vor in 
scheut. Du solt dich daran nit kern, daz dir die pfaffen 
da sagent." Von diesem „selb Heren gemüte und wil 
len" kommt Meist aller Unglaube und alle unter sich so 
verschiedenen Ketzereien. Diese Leute, die doch nicht Ketzer 
sein wollen, sind oft schädlicher als die Ketzer. Sie pre 
digen wider alle Predigt wvn Gott, von Sünden, von Tu 
genden u. s. f., und machen, daß manche fallen aus dem 
Wego der rechten Werke, manchmal auch des rechten 
Glaubens. Denn einfältige Leute sehen so bald der Lüge 
in den Mund, als der Wahrheit. Die Gebote des Herren 
dünken ihnen zu schwer; daher sagen sie, Gott könne nicht 
so zornig sein, daß er um ein so geringes Ding (8 Pfen 
nige unrechtes Gut) einen Menschen ließe verloren ge 
hen. Es wäre ja unmöglich, daß er sich darum hätte 
martern laßen. Es könne auch nicht eine Seele verloren 
gehen wegen Einer Sünde, — So trösten sie fälsch 
lich sich und andere wider Gott und die h. Schrift. — 
Und dagegen gibt andern der Teufel übermäßige Furcht 
und zu großen Zweifel, und bringt sie dadurch in seine 
Gewalt. — Andere sagen aus Trägheit, sie brauchen nicht 
in die Predigt zu gehen; denn da werde mit vieler 
„Unibrede" nichts gesagt, als: thu' das Gute, laß das 
Böse! und das wißen sie ja. — Aber sie können dabei 
leicht irre. werden, wie einer, dem man sagte: geh' alle 
die Wege, die recht nach Rcgensburg gehen, und meide 
alle, die unrecht dahin gehen. — Gegen diesen Junker
	        

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