Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

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geht, heißt „Unküsche". Dagegen ist „die Kusche" so tu 
genthaft, daß sie im Himmel besonders gekrönt ist über 
alle Jungfrauen. — Der sechste ist dem Teufel so lieb, 
daß er ihn zu einem „Gesellen" nalim für Gott und für 
alle die Freude im Himmel. Er heißt Hoffart. Er 
zwingt Pfaffen und Laien, Reiche und Arme. Die Ar 
men jedoch können ihm nur ihren guten — oder viel 
mehr bösen—Willen erzeigen. So prahlen sie mit Freun 
den, die sie nie hatten, mit Hoffart, die sie getrieben ha 
ben wollen^ So sündigen sie zwiefach, indem sie lügen, 
und indem sie die Sünde auf sich ziehen, der sie sich 
rühmen, anstatt daß, wo es möglich,- eine Hand vor 
der andern die Sünde eher verbergen sollte, als daß je 
mand davon verschlimmert (gedosert) würde. Mit aller 
lei Nichtigem übt sich die Hoffart an Frauen und Männern. 
„So rücket eins die gürtelin hoher; so hohfertigt eins von 
f-item wol singen, eins von siner schone u. s. f." — Da 
gegen werbe man um eine Jungfrau, die Gott und seine 
h. Mutter nie von sich ließen einen Augenblick, als sie 
auf Erden wandelten. Sie heißt Demuth. Mit ihr hat 
David die Hoffart vertrieben (2 B. Sam. 24.) — Der 
siebente ist der gewaltigste. Er nimmt dem Kaiser seine 
Gewalt; er gewinnet starke Burgen und Thürme; er 
zwingt den Vater, sein eigen Kind willig in die Gewalt 
dcS Teufels zu geben und in den ewigen Töd. Er beißt 
„Gitekeit", und zwingt Geistliche und weltliche. „Pst sy- 
rnonitaria proprietaria! wo sitzest du do vor minen aus 
2t*
	        

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