Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

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seien sie weltlich oder geistlich, von Kirchen, Pfründen, 
Opfer»; der Richter von den Diensten der armen Leute; 
die Handwerker von ihrem Lohne; die Kaufleute von ihrem 
Gewinne. — Das dritte Pfund ist die Zeit, die uns Gott 
zu leben hat gegeben. Wir sollen r) sie nur vertreiben 
zu rechter Nothdurft, daß wir arbeiten was der Leib be 
darf zur Nahrung, und dann zu rechter Zeit und auf die 
rechte Weise es genießen — hierin bestehen schlecht die 
Trinker und die Freßer — und eben so schlafen und uns 
warmen nur nach Nothdurft. Wer seine Zeit „verballet 
und verdantzet und verdopelt und verwarsagt oder ver- 
fpotet oder Verswert oder verschiltet oder verfluchet," der 
wird jämmerlich stehn an der Rechnung; vornehmlich aber 
der „Gitige." Seine Zeit geht nicht allein unnützlich, son 
dern auch schändlich und sündlich hin. Er allein laßt 
Gott nie ruhen. Er gewinnt immerfort, wahrend der 
Predigt und Messe und an den h. Festen, wahrend an 
dere sich säumen und ruhen, (vergl. d. ute (l?te) Pr.) 
Ihr Teufel und ihr Engel, und alle ihr Herrschaften seid 
meine Zeugen, daß ich Gott seine Zeit zurückgefor 
dert habe. — Man soll 2) die Zeit vertreiben in Gottes 
Lobe, mit Gebet, mit Geben zur Kirche, zur Predigt, zu 
„antlaz", zu Kranken, außer wer nicht kann „vor ehafter 
not", daß er muß Haus oder Kinder hüten u. dgl. Mit 
den 4o Tagen vor Ostern verzehenden wir Gott die Zeit; 
so lieb ist sie ihm. Mit solcher Anwendung der Zeit 
kann man messen den Lohn im Himmel und mindern das 
Fegfcucr, ja sich ganz von diesem frei machen, wie manche
	        

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