Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L124 
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ist, daz sie lebent. Ez seit und seit so böse ding, die ich 
ungerne reden wblte. Fregent wir einen ikden, wo gvt 
si und waz er tu? so spricht er: „er sitzet uf dem hi- 
chiel,und gent im die dein her abe of die erden." Owe, 
lieber gvt, so müstest du zwo lange Hosen Han, nach der 
rede. — Und do von bczeichent der mane den Unglau 
ben ig); wanne der mane so gar unstete ist, in so 
maniger^lüne; er ist hüte iüng und elter morgen; hüte 
nimet er abe, morgen nimet er zü; nü klein, nü grvz; 
nü get er hohe an denr himcl, morgen get er nidcr; nü 
hi», nü her; nü sus, tut so. Daz selbe sink unglcübige 
lute, so Heiden, so iüden, so ketzer. Die habent auch den 
aller meisten «»glauben, der ie gehört wart. Sie habent 
wol anverthalp hundert ketzerie, der eine nit gleubent, 
alse die andern. Wanne ie einre hat fünden eilt itenüwe 
ketzerie, und swelhe der selbe ie nach im hat braht in die 
selben ketzerie, die ketzerie heißet banne alse ienre, der sie 
von erste do vant. Ein heißent poverlewe, und eine ^rri- 
^ni, und rünkeler und manachei tmb sporer und swirdcr 
und arnoldcr. Und also habent sie so manigcr ley na- 
men, daz ez nieman volle enden mag. Aber swie mani- 
ger ley namen sie haben, so heißen sie uberal katzer. Und 
daz det unser herre ane sach; nit, daz er sie ketzer 
Nu war umb hiez er sie nit sünder, oder müser, oder 
Vogeler, oder swiner, oder geißer? Er hiez in einen ketzer. 
Daz det er dar umb, das 20) er sich gar wol heimcli- 
2g) Hds. „unglabetk" 
-o) st. „daz"
	        

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