Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

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So har er uns nüwcn eine zünge gegeben. Do mit sin 
wir gemanet, da; wir »it zu vil gesneren süln und ge- 
brehten. Nü seht ir wol, wie die geistlichen lüte örÖtit 
habe» in klostcrn, daz die niemer getürrent gercden in 
symclichen erden, wanne als man in crlcubt. Do mit 
uns. auch erzeuget ist, daz wir nit viel gereden füllen. 
Und als du ein unnütze rede wollest du», so gedenke dar 
an, daz-dir got uüwen eine zünge hat geben. Pfi! he 
best du zwo züngen, so ließest du nieman uz gehbr». Du 
gesnersi so vil mit der einigen, da; dir we wart, daz dich 
din müter ie getrüg an dicswc werkt. Ez ist manig tu- 
sent sele verlorn von der bösen züngen, die nit verlorn 
wcrn, banne 6) übel züngen. Und ir kümpt noch vil 
wanig tuscnt zur helle, der niemer rat wirt von ewen 
zu ewen, von bösen züngen. Iu dem andern male soltu 
gedenken an die geistlichen lüte, daz die so vil geswigen. 
?,üm driten male soltu dar an gedenken: swann ein kint 
geborn wirt, so grift ez dar mit der hant, und tüt den 
münt zü; wann ez wirt geborn mit offenem münde. Und 
da bi hat uns got ertzeügt, daz wir sivigen suln, nit klaf 
fen süln noch snercn, als die espinen leyber an den baü- 
nien. Wan» der lciber ist gar vil an den baümen und 
ane zal. Und da von ist daz nit ungefüge, ob die baü- 
me vil geklaffcnt, die vil lciber hant. Du enhast nit 
banne daz eine laup, bin zünge, daz man Horn sol. Der 
6) ,,banne" steht hier, wie sonst „wanne" vergl. ite Predigt 
Anm. 3o. 
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ii
	        

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