Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

pt i 24' 
bertholt, dez du st d» doch selber nit. Du hast güter 
rbcke zwene, und sttzet maniges hie, daz nüwcn einen 
hat, und ist der selbe vil böse; und gizzcst dir vil gnüg 
und gizze ich vil übel." io) Daz ist vil war. Jch 
han zwene rocke an, ich gebe aber dir dez einen niht; 
ich wolle aber gar gerne, daz du einen semelichcn hetest, 
und daz du also wol gezzest und getrünkest alse ich. Und 
dar an lit auch die wäre minne, daz du dinem nehsten 
ganst, daz du dir selber ganst, und im vcrgünnen soll, 
daz du dir selber vcrganst. Und sülte ein «eglicher dein 
andern geben, ob er me hette danne der ander; so würde 
nicman behalten. Und soll icglichs dein andern in die 
haut also gienen, ob cz mer hete, daz cz dar gebe: wer 
erbeite danne, daz die werkt hien keine? Ich Han zwene 
rocke; gebe ich dir der einen, so hete ich zu wenig. Du 
solt im dez wol günnen, waz er ercn und gutes mer hat, 
danne du, fün fründen, oder swo von ez in ist an fil 
men. Wil aber ez dich stechen in dinem hertzen als ein 
dorn, oder brennen als ein glüt, swanne im sin ding 
baz gct an ern oder an güt, danne dir: stech, so hat 
dich nit und ha; bestanden: wanne d» hast der warn 
minne einigen tropfen nit. Da von wirt din crüce nie 
mer für draht an dem iüngesten tage, und do von wirt 
auch diner scle niemer rat, und du müst iemerlichcn dez 
tageö von gvte scheiden. Du solt dinen nehsten fiep ha 
ben in got. Wanne wir alle sprechen: vater unser! in 
io) vergl. »ff Pr. p. S. ft.
	        

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