Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L124 
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gote worden ftitf, der sie von niht gemachet hat, und sie 
in so groze cre von lütern gnade» gcsetzet hat. Und 
also gebeut sie in selber iiir crn, und habent und hal- 
tent got die cre alle und daz lop, von de; güte sic cz 
habent, daz an in lobelich oder gut ist. Und wanne sie 
mit der warhcit crlühtet sint, so sink sic auch mit der 
warhcit der minne entzündet. Da von wollent sic, daz 
daz selbe urteil alle tute von in 17) haben, daz sie sel 
ber über sich habe», daz sich nieman cre noch hoher ahte, 
dann er si. Und sie gernt, daz man sie vor niht habe, 
daz sie von in selber sint, und daz man sie vor sündcr 
habe, die wile daz sie hie sint; und sivaz an in gutes 
ist, daz man got dar umb lobe, von dem ez alles ko- 
mcn ist. Swer sich für ihtsit ahtet, der bekennet der 
warhcit niht. Wer sich aber nihts wert erkennet, und 
enmag doch nit erliden, daz man in für niht shabe^j, da; 18) 
sieht die warhcit niht, wanne im ist sin selbes ere vil 
lieber, banne die warhcit, die im da zeiget, daz er dc- 
heinre ern wert si. Da von lerne bi unserm Herren ihesu 
cristo demütiges hertzen sin, daz du dich selber vcrsmehest 
niit dem hertzen und niit den demütigen werken und mit 
Worten, und dez auch gern von andern luten lidest, und 
sin auch dar zu niit frcuden begerst. Waz gütes der 
17) „von in" s. v. a. von sich, wie die Worte: „da; sich nie 
man" u. s. f. zeigen. 
18) „daz" statt „der" eine der Volkssprache und auch diesen 
Predigten geläufige Äcrwechslung. Doch könnte cs hier auch 
Schreibfehler sein.
	        

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