Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

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dem späteren gefeierten Volksprediger, dem Abra- 
ham a sancta Clara. Er steht der gemeinen 
FaßungSkraft weit näher, als jener, deßen Leben 
in Thätigkeit im Großen und einsame Betrach 
tung getheilt war, und der oft das Speculative 
stark vorwalken läßt; wogegen Berthold mit dem 
ganzen Volksleben in allen seinen Verzweigun 
gen wie Ausartungen innig vertraut und von vor 
herrschend practischem Sinn durchaus leicht faßlich 
für jeden spricht, und das Speculative nur selte 
ner erscheinen läßt, und zwar als ein Fremdes 
und Ueberliefertes, und dem gemeinen Verstände 
näher gebracht, auch so, daß er sich immer bald 
wieder zum Praktischen hinwendet, und dem Grü 
beln über geistige und himmlische Dinge nicht Raum 
gibt. Dagegen, so auffallend auch uns manches 
bei ihm sein mag, ist er nicht so sehr in die 
Weise und den Ton des Volks hinabgezogen, wie 
Abraham; er ist viel gehaltener, feine Populari- 
tär edler, seine Bilder gewählter, seine Wendun 
gen nicht so vorherrschend komisch, obwohl auch 
dieses manchmal nicht fehlt, und eine große Nai- 
vität durchaus nicht zu verkennen ist. Indeß soll 
das kein Vorwurf sein für jenen, deßen Indivi 
dualität einmal auf diese Weise ausgeprägt war, 
und in dieser Form die, gewiß auch von ihm er-
	        

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