Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

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Ir tüftl, ir tüftl, seht, nü schampt uch. Wanne ir ein 
sundcr und ein verreter und ein Vorväter aller fünden 
sit gewesen, so möget ir uch dez iemer wol schämen, daz 
uch dirre getaufte kristenmensche uderschalket und über 
meinsampt an funden hat. Dez müßet ir halt iemer 
lasier und schände Han, daz die fünde ein getauft cri- 
stenmensche wol gctar besten, der ir nit besten gctürret. 
Ir nemct halt groz guet drümbe niht. Ich weiz den 
cyt, ee danne daz in der tufel swüre, er wolle ee iemer 
zwirent als groze martel liden da zu Helle, banne er ictze 
du. Pfi! kristenmensche, so lange sich der tufel schämen 
sol, so mahtu dich dez iemer schämen, daz du die fünde 
gckarst dün, die der tufel ungerne tete. Da beschirme 
«ns der almchtige got vor. —* Daz ander gebreche ist 
lüge und valschcit. Hie sol man merken lüge und valsch 
eit. 20) Aht Hände luge, die sant augustinus beschri- 
bct; der sink fünft rdtliche fünde; so sint ir drie aplez- 
zige. Die erste lugen ist die groste; und nement also 
abe, daz die iüngestc die niinneste ist. Die erste lugen ist 
die, die wider den heiligen kristcnglauben ist: swer also 
spreche, daz got nie geniartelt würde, und alle, die also 
20) vielleicht Zusatz des Sammlers der Predigten ähnlich dem 
- a.vy.yittL-,y.coi vcsirt) Matth. 24, i5. von dem es auch zwei- 
felbaft ist, ob es in den Context der Rede gehört, oder dem 
Sammler angehört. Noch lieber möchte ich „lüge und valscheit" 
ausstoßm, da diese Worte leicht aus der voranstehenden Zeile 
können herabgcschrieben worden sein, und dann verbinden: 
„Hie sol man merken aht u. s. f. — Damit siele die erstere 
Vermuthung von selbst weg.
	        

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