Full text: Berthold, des Franciskaners deutsche Predigten, aus der zweiten Haelfte des dreizehnten Jahrhunderts

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wie du swerst und bükest dri vinger ufreht. Zu glich» 
wise rehte als ob ein diep für eime rihter stünde und 
spreche: „seht, her rihter, als werlich als ich diz güt 
verstoln Han, als werlich sult ir mich dort hin uz 
hahen an den galgen", und zeügte mit dem vinger 
hin zu den galgen: also tust du meineider; du bükest 
drie vinger uf und zweye nyder; und die dri bezeichent, 
die du gein himel budest, und sprichcst, daz dir got als 
warlich helfe, daz 18) daz war st, daz du do swerst, und 
daz wol weist in mittent in dinem hertzen, daz ez gelo 
gen ist; so 19) nimest du dich mit dem einen vinger uz der 
barmhcrtzikeit dez alniehtigen gotes; wann du im urteil 
uf dich selben gesprochen hast; und uz der helfe und uz 
der süne miner frauwen sank Marien, die eine sünerin ist 
aller tristen tüte, mit dem andern vinger; wanne du ir 
auch wider seit hast, daz sie dir niemer nit gehelfe; und 
mit dem driten uz dem gebet und uz der gemeinschast 
aller gotesheiligcn. Wanne do du also sprech', daz Vir 
got also hülfe und alle heiligen, alse cz war were, und 
ez ein lügen waz, da bete du, daz got und alle sine hei 
ligen, daz sie dir niemer nit gehülfen, und spreche din 
r8) l. „alS" vergl. weiter unten. 
rg) Hier die nähere Bestimmung zu den Worten: „und die dri 
bezeichent" Sinn des Ganzen: Nun höre, waS dein Schwö 
ren und Aufheben der drei Finger bedeutet. Du machst eS 
grade wie ein Dieb u. s. f. Die drei Finger, die du auf 
hebst, mit den Worten, daß dir Gott so wabrlich helfen möge, 
alS dieS wahr fei. — da du doch wohl weist, daß es erlo- 
gen ist, — haben die Bedeutung: du nimmst dich mit dem 
einen u. f. f.
	        

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