Full text: Gudrun

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Fröthi als Urenkel Odhins, als überreicher, mächtiger, friedenftiftender 
König von Dänemark. Sein friedliches Wefen hat er gewiffer Maafsen 
auch in der Gudrun beibehalten; er heifst der alte (1182), der weife 
(1537), räth zur Verföhnung (1624), giebt überhaupt befonnenen Rath 
(1535), und ift der Schifffahrt kundig (903). So ergänzt er den Wate, 
neben dem er gewöhnlich erfcheint (1183. 1655). Noch farblofer zeigt 
fich Frotho bei Saxo (S. XXIV), wo er, als Hithins Lehensherr, zu- 
erft mit unferer Sage zufammentrifft; desgleichen in den deutfchen 
Sagen vom Rofengarten und von der Ravenna-Schlacht, wo wir ihn im 
Gefolge Dieterichs finden, und als Feind Günthers von Worms, der ihn 
feines Reiches beraubt hat. 
Gd III hät anftatt des einen urfprünglichen Räubers drei: Hartmuot 
mit feinen Eltern Ludwig und Gerlinde, von denen die letztere, als die # 
eigentlich bewegende, Hedhins entfchiedenfte Stellvertreterin ift; in 
Tr fchaaren fich um den Entführer (Paris) noch drei Geftalten (Hektor, 
Hekuba und Priamos), die alle mehr oder weniger brauchbar gemacht 
find. Gd III und Tr haben auch hier, wie faft überall, den gröften 
Reichthum an handelnden Wefen. Bei L fcheint der Entführer durch 
ein offenbares Misverftändnis den Namen Hagene zu führen, so dafs 
hier eine ähnliche Verkehrung Statt findet wie in der Sage von Sigfrid. 
Denn wie bei der Befprechung diefer gefagt worden ift, der Name 
Hagen (Högni) bezeichnet fonft immer das Wefen welchem die Jung 
frau geraubt wird, und welches durch Verwandtfchaft oder Verlobung die 
Pflicht hat fie aus der Hand des Entführers zu befreien. Es findet fich 
in Sn, S, Gd II als Vater; in Pe als Mutter, in den Sagen von Dionyfos 
zuweilen felbft als Sohn (S. XXXV); in H und E als Bruder, in Gd I als 
nachmaliger rechtmäfsiger Gatte, ln Gd III hat fich durch die Verbin 
dung mit Gd II, d. h. indem der frühere Räuber nun zum Beraubten 
wird, für diefen der Name Hetel nothwendig gemacht, der eigentlich dem 
Räuber gebührt. Das ältere, richtigere Verhältnis fcheint noch darin 
halb verfländlich nachzuklingen, dafs Hetel die Hegelinge führt. Denn 
offenbar bedeutet diefer Name nicht Hetels Mannen, fondern Hägens. 
Vielleicht ftunden in der älteren Erzählung neben Hagen ebenfo Hege- 
ninge, wie neben Hedhin (Hetel) Hedheninge (S. XXIII); als unfere Sage 
dem Hagen Hetels Namen gab, liefs fie doch feinen Mannen die rechte 
Benennung, ausgenommen dafs der Buchftab N durch L verdrängt wurde,
	        

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