Full text: Gudrun

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 212 
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feinem kunftvollen Lied fchenken fie ihm einen fiegverleihenden Gürtel. 
Auf dem Heimweg verletzt er (ohne Zweifel mitMimings Schwerte) ßaldern 
tödlich; diefer läfst fich am folgenden Tag auf einer glühenden Senfte in 
den Kampf tragen, um nicht im düftern Zelte zu fterben. In der folgenden 
Nacht erfcheint ihm Profcrpina, und verheifst ihm dafs er bald ihr ange 
hören werde; nach drei Tagen ftirbt er an feiner Wunde. Das Heer be- 
ftattet ihn ehrenvoll und errichtet ihm einen Hügel. 
Die Uebereinftimmung diefer Sage zeigt fich hier kaum in den Namen: 
nur den Höthers hoffe ich fpäter als Eins mit Hedhin oder Hithin nach 
weifen zu können. Zum Erfatz dafür ift aber der Gang der Ereigniffe fehr 
genau verwandt. Im tönereichen Höther finden wir den Horand unfres 
Liedes wieder, nur mit dem Unterfchiede, dafs der Vater der Jungfrau, 
wie auch in der Erzählung von Hithin und Högni wenigftens Anfangs, 
gegen den Bund nichts einzuwenden hat; darum tritt auch nicht Gevar, 
fondern Balder, als Höthers unverföhnlicher Feind an Högnis Stelle. Der 
Kampf fchwankt, wie bei Snorro, doch wird nicht jene wunderbare That- 
fache der Todtenerweckung als Grund angegeben, fondern das Kriegs- 
glück, daher am Ende doch eine Entfcheidung erfolgt. Nanna verfchwin- 
det bald: man fcheint mehr um Dänemark als um fie zu kämpfen. Ab 
weichend ift auch dafs das wunderbare Schwert fich in Höthers, nicht 
wie bei Snorro, wo Högni das Zwergenschwert Dainfleif hat, in feines 
Feindes Hand befindet. Vornemlich aber mufs beachtet werden, dafs 
wir hier mit grofser Entfchiedenheit den Gefchichtsboden verlaffen und 
den der Götterfage betreten haben. Saxo fpricht fich hierüber mehrmals 
aus, doch erkennt er es nicht in feinem ganzen Umfang, denn auch Höther, 
der nach ihm noch Menfch ift, mufs als Gott genommen werden. 
Das zeigt fich durch die Vergleichung der Quellen in welchen die 
Sage reiner bewahrt ift als bei Saxo. Namentlich tritt fie in der jüngern 
Edda (Rask 64) noch völlig ungefchichtlich auf. Da wird Balder, der Gemahl 
der Nanna, obwohl er auf wunderbare Weife unverletzlich gemacht ift, 
doch mittelft eines Miftelzweiges vom blinden Hödh auf Lokis Veran- 
laffung tückifch gemordet. Wie ihm bei Saxo vorher Proferpina (d. h. 
Hel, die nordifche Göttin der Unterwelt) erfchienen ift, fo find nach 
Snorro todverkündende Träume vorangegangen. Selbft Saxos glühende 
Senfte findet ihre Deutung: Balders Leiche wird auf das Schiff Hringhorne 
gelegt, und diefes brennend ins Meer gefchoben. Misverftand ift es ohne
	        

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