Full text: Gudrun

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 212 
*m> xxi %m> 
Hartmuot, indem er als beraubter Bräutigam (und nachmaliger Retter?) 
Herwigs Stellung einnimmt; felbft Hilde hat ihren Namen eifigebüfst, und 
den verwandten ihrer Freundin, Hildeburg, angenommen. 
Dafs die Kämpfe des Helden fich Io vervielfältigen, dafs er einen 
furchtbaren Riefen und zwei andre Recken erfchlägt; ruht wohl nicht 
auf innerer Nothwendigkeit, fondern auf dem Beftreben feine Kraft her 
vorzuheben; ebenfo fcheint fein Sieg über die Berner eine getrübte Er 
innerung an die beiden Kämpfe, den unglücklichen und den glücklichen, 
welche die Hegelinge der Gudrun wegen mit den Normannen beftehen. 
Ohne Zweifel find alfo Dietrich und Hildebrand nichts anders als eine 
Wiederholung von Ludwig und Hartmuot. Da auch fie den Raub nicht 
wieder gut zu machen vermögen, fo fehlt hier, wie im zweiten Theil 
der Gudrun, der befriedigende Schlufs: die Jungfrau bleibt eine Gefangene. 
Auch in Wolframs Parcival ftofsen wir auf einen Klang aus der 
Gudrun-Sage, über den wir jedoch, weil die Vergleichung des Gedichtes 
mit feiner Urfchrift noch unmöglich ift, in Ungewisheit bleiben ob er aus 
Wolframs Heimat (Nordbaiern) ftamme, oder mit feinem Vorbild aus Nord 
frankreich. Das Belagerungsheer, von dem Gahmuret feine nachmalige 
Gattin, die Mohrenkönigin Belacane, befreit, fteht unter der Leitung des 
Schottenkönigs Fridebrant, diefer befindet fich aber, wie Gahmuret 
anlangt, eben abwefend. Als Grund giebt Wolfram an: 
der loefet dort fin eigen lant: 
ein künec, heizet Hernant, 
den er durh Herlinde fluoc, 
des mäge tuont im leit genuoc: 
fine wellen! fi’s niht mäzen. 1 
Die Geraubte heifst Her-lind, wie in der Klage eine von ihren Ge- 
fpielinnen; ihr Vater, dem fie durch Gewalt entriffen ward (der um Her- 
lindens willen gefchlagen, aber feither wieder zu Kräften gekommen ift) 
hat den verwandten Namen Hernant; der Räuber, der eilig heimkehren 
mufs, weil ihm der rächende Hernant mit Hecresmacht ins Land fällt, 
heifst Fridebrant. 
Viel befprochen ift ferner die Stelle worin Lamprechts Alexander 
unfre Sage berührt. Der Urfprung des Gedichtes darf ohne Zweifel am 
Niederrhein und gegen das Jahr 1180 gedacht werden. 2 Lamprecht fucht 
1 Lachmanns Ausgabe 25, 3. 
2 Es liegt ihm eine franzöfifche Dichtung zu Grunde, die aber noch nicht gefunden ift.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.