Full text: Unterm Hugenottenkreuz

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Der Landgarf wollte mit der Einladung der Hugenotten 
nach Hessen aus volkswirtschaftlichen Gründen, zum Vorteil 
seines eigenen Landes, geschickte und fleißige Handwerker 
und Kaufleute nach Hessen bringen. 
Daß es für den Landgrafen auch eine Sache des Herzens, ; 
seines Gewissens und seines Glaubens war, bewies er in jeder 
Weise durch sein stets lebendiges, wahrhaft tatkräftig be 
zeugtes Mitleid mit den armen R^fugies. 
Die Einwanderung der Refugies in Hessen 
erfolgte in drei großen Wellen: 1. von 1685 — 1687; 
2. von 1698 - 1700 und 
3. von 1720 - 1722. 
In der ersten Periode kamen viele Hugenotten aus Nord- 
frankreich, Paris und Metz, - aber auch aus Südfränkreich 
und Savoyen - über die Schweiz. 
Nach ihren Heimatbezirk&n geordnet hatten sich die 
Flüchtlinge in Trupps oder Brigaden zusammengeschlossen, um 
unter Führung eines Eundukteurs, gewöhnlich, eines Pfarrers, 
nach Deutschland zu kommen. 
* 
Auch Landgraf Earl hatte in Frankfurt/Main Abgesandte, 
die den Verfolgten Fuhrwerk beschafften und sie dann an die 
Orte brachten, wo sie vorläufig Unterkunft finden sollten, 
z.B. Marburg/Lahn, Frankenberg, Kassel., Immenhausen, Greben 
stein und Hofgeismar. 
Dort blieben sie, bis die neuen Kolonien für ihre Auf 
nahme fertig waren, nämlich für die erste Einwanderungswelle, 
die Kolonien Eassel/Oberneustadt, Schöneberg, Karlsdorf, 
und Mariendorf im Kreise Hofgeismar, Louisendorf bei Fran 
kenberg, Schwabendorf und Frauenberg bei Marburg/Lahn. 
Hierbei muß in jedem einzelnen Falle berücksichtigt 
werden, wie lange jeder Trupp schon vorher durch das Land 
zu Fuß und unter den notdürftigsten Verhältnissen, auch 
ohne genügende Nahrungsmittel, - bereits vom Auswanderungs 
orte her - zurücklegen mußte. Das Landvolk in Hessen bedachte 
die Flüchtlinge beim Durchzug durch die Ortschaften, so
        

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