Full text: Der Stern der Erlösung

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ERSTER TEIL: DRITTES BUCH 
das unendliche Sein Gottes; seinem einfachen, vorzeichenlosen 
A tritt sie als ein ebenso einfaches, vorzeichenloses B ent 
gegen. Sein steht hier gegen Sein. Dem erfüllungsbedürf 
tigen, unendlich formalen Sein der Welt gegenüber aber ist 
das unbedürftige, grenzenlos besondere Sein des Menschen 
nicht gegensätzlich, sondern ganz geschieden. Zwischen *A 
und B gilt gar keine Beziehung. Käme es bloß auf das Wesen 
an, so wäre zwischen Gott und Mensch Feindschaft gesetzt; 
Welt und Mensch aber lägen auf verschiedenen Ebenen und 
nicht einmal Feindschaft wäre zwischen ihnen möglich. Es 
kommt nicht bloß auf das Wesen an, aber etwas bleibt von 
diesem Verhältnis der Elemente auch noch in der schließlichen 
Gestalt der Gleichung; da wird freilich dann auch wirksam, 
daß gerade zwischen Welt und Mensch doch andrerseits auch 
eine besonders enge Beziehung besteht, nämlich das gleich 
mäßige Vorkommen der richtungslosen schlechthinnigen Be 
sonderheit, B, bei der Welt freilich als »Nein«, beim Menschen 
als »Ja«, dort als immer neues Wunder der Individualität, hier 
als das dauernde Sein des Charakters. Aber es ist immerhin 
das erste und wie wir sehen werden das einzige Mal, daß in 
unsern Gleichungen ein Glied mehr als ein Mal auftritt. Die 
Bedeutung dieses Umstandes kann erst später erkannt 
werden. 
A uch bei dem »So« des Charakters hat es nicht sein Be- 
- wenden, sowenig wie bei einem früheren So. Auch an des 
Menschen Nichts, nachdem es sich im Charakter als ein Nichts, 
aus dem Bejahung hervorgehen konnte, erwiesen hat, darf 
sich nun die Kraft des Nein erproben. Wieder gilt es, das 
Nichts im Nahkampf der Endlichkeit niederzuringen, wieder 
aus diesem tauben Felsen einen Brunnen lebendigen Wassers 
fließen zu lassen. Das Nichts der Welt kapitulierte vor dem 
sieghaften Nein in der sprudelnden Fülle der Erscheinung. 
Gottes Nichts zerbrach vor seinem Nein zur immer neuen gött 
lichen Freiheit der Tat. Dem Menschen erschließt sich sein 
Nichts in der Verneinung gleichfalls zu einer Freiheit, seiner
        

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