Full text: Der Stern der Erlösung

DRITTES BUCH 
DER MENSCH UND SEIN SELBST 
ODER 
METAETHIK 
V OM Menschen — sollten wir auch von ihm nichts 
wissen? Das Wissen des Selbst von sich selber, das 
Selbstbewußtsein, steht in dem Rute, das best 
gesicherte alles Wissens zu sein. Und der gesunde Menschen 
verstand sträubt sich fast noch heftiger als das wissenschaft 
liche Bewußtsein, wenn ihm die wahrhaft und wörtlich selbst» 
verständliche Grundlage des Wissens unter den Füßen fort 
gezogen werden soll. Dennoch ist es geschehen, freilich erst 
spät. Es bleibt eine det; erstaunlichsten Leistungen Kants, daß 
er dies Selbstverständlichste, das Ich, recht eigentlich zum 
Problem, zum Allerfragwürdigsten, gemacht hat. Vom 
erkennenden Ich lehrt er, daß es nur in der Beziehung auf das 
Erkennen, an seinen Früchten also, nicht »an sich selbst«, zu 
erkennen ist. Und gar vom wollenden weiß er, daß die 
eigentliche Moralität, Verdienst und Schuld, der Handlungen, 
selbst unsrer eigenen, uns stets verborgen bleibt. Damit 
erstellt er eine negative Psychologie, die einem ganzen Jahr 
hundert, dem Jahrhundert einer Psychologie ohne Seele, 
zu denken gegeben hat. Wir brauchen kaum zu be 
tonen, daß auch hier uns das Nichts nicht für ein Er 
gebnis, sondern für den Ausgangspunkt des Denkens gilt. 
Es mußte wohl einmal das Absurde gedacht werden. 
Denn es ist der tiefe Sinn des vielmißbrauchten Credo 
quia absurdum, daß aller Glaube zu seiner Voraus 
setzung ein Absurdum des Wissens braucht. Damit also der 
Inhalt des Glaubens selbstverständlich werde, ist es nötig, daß 
das anscheinend Selbstverständliche vom Wissen zu einem 
Absurden gestempelt sei. Das ist der Reihe nach mit den drei
        

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