Full text: Der Stern der Erlösung

METALOGIK 
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Geister; jeder unsterblich für sich, immer neue zu den alten, 
alle eigennamentlich von einander geschieden. Und wenn dort 
dem Einzelnen seine Besonderheit genommen wurde durch 
die nicht als Gemeinschaft zwar, aber als übergeordnete All 
gemeinheit ihn umschließende Kaste, so ist in China die Ge 
meinschaft, der er unmittelbar eingefügt ist, die Kette der 
Ahnen; eine Einfügung, die ihm seine Besonderheit nicht raubt, 
im Gegenteil er selbst wird als das Endglied der Kette, die 
auf ihn zuläuft, in seiner äußeren Besonderheit und nur Be 
sonderheit in der Welt, deren Teil er ist, bestätigt. Und wie 
dort der Buddhismus hinter die Allgemeinbegriffe noch zurück 
griff auf das Begreifen selbst und in der Aufhebung des Be 
greifens die Erlösung von der Welt erreichte, so greift hier 
Laotse hinter die allzu sichtbare, allzu betriebsame, allzu 
geschäftige, allzu regierte Welt des Kongfutse zurück und 
sucht, ohne ihr Wirklichkeitswesen zu leugnen, wo diesem 
ganzen sich überstürzenden Treiben die Wurzel und Quelle 
gesetzt sei. Aus jener Quelle des Nicht-Tuns entspringt alle 
Fülle der Tat. Aus jenem Urgrund des Einen erhebt sich die 
unzählbare Fülle der Wesen. Das Geheimnis des Herrschens 
ist hierin beschlossen: nicht zu herrschen, nicht vielgeschäftig 
berechnend zu gebieten und zu verbieten, sondern selber wie 
die Wurzel der Dinge »ohne Tun und ohne Nichttun« zu sein: 
so werde sich die Welt »von selber« gestalten. Wie Buddha 
die Seinen die Aufhebung der schon begriffgewordenen Welt 
ins Begreifen und weiterhin ins Begreifen des Begreifens und 
so in ein Jenseits des Begreifens lehrt, so lehrt Laotse die 
Ueberwindung der dinglichen Fülle des Geschehens durch das 
tatlose schweigende Eingehn in den namenlosen Urgrund des 
lauten und benannten Geschehens. Wieder auch hier nächste 
Nähe zum Nichts und doch nicht das Nichts selber. Und wieder 
hier und in jenem äußersten Punkt, den der indische Geist 
erschwang, die Pole aller Weltlichkeit, die nicht den Mut zur 
Klarheit der Schau aufbringt, dem allein sich die Gestalt offen 
bart. Denn die Welt verschwindet so gut wenn man ihr den 
Rücken kehrt, wie wenn man in sie eintaucht; Gestalt sieht
        

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