Full text: Der Stern der Erlösung

ERSTER TEIL: ZWEITES BUCH 
1± 
N 
Erkennens. ln einer Folge von Erkenntnisbegriffen wird auf 
gelöst, was dieser schon begriffsverflüchtigten Welt noch an 
Festigkeit verblieben war; und in der Aufhebung des 
erkennenden und begehrenden Ichs wird endlich die ganze nur 
von diesem Erkennen und Begehren gezeugte Welt einschließ 
lich ihrer Götter und einschließlich ihres Wesens aufgehoben 
ins Nichts. In Nichts? nein auch hier, unter Vermeidung des 
noch immer einen Rest von Positivität einschließenden Worts 
des Nichts, in ein Reich jenseits von Erkenntnis und Nicht 
erkenntnis. Wiederum ist der Punkt erreicht hart vor der 
Grenze des Nichts und doch weit im Rücken der unendlichen, 
das Nichts verneinenden und so sich selber unendlich be 
jahenden Allgemeinheit des Erkennens. 
Die geistigen Mächte, die hier allein als Wesen der Welt 
anerkannt wurden und deren Aufhebung selbst noch geistig 
geschehen mußte, diese Mächte des Begriffs hat China ebenso 
entschieden verleugnet. Ihm gilt grade die Fülle der Welt als 
das allein Wirkliche. Aller Geist muß dinglich, besondert 
sein, um hier Platz und Daseinsrecht zu bekommen. Die 
geistigen Mächte treten zurück vor den irdischen Interessen. 
Das metaphysikfreiste aller nationalethischen Systeme, des 
Kongfutse, gibt dem Volksleben bis heute Form und Farbe. 
Das Geistige, insofern es noch eine Rolle spielt, wird zu 
Geistern. Die Geister werden zu ganz individuellen Individuen, 
selber benannt und dem Namen des Verehrers aufs beson 
derste verbunden: die Geister seiner Ahnen. Ihnen gilt das 
Opfer; sie sind gegenwärtig, mitten unter den Lebenden, 
sichtbar, nicht von ihnen zu unterscheiden. Unbedenklich 
wird mit ihrer Fülle die Fülle der Welt noch überfüllt. Die 
Frage nach dem Verbleib der Toten und wie es denn komme, 
daß die Welt nicht von ihnen überfüllt werde, ist mindestens 
einer der Anstöße gewesen, die in Indien bezeichnenderweise 
zu der Lehre vom Wandel der Person durch wechselnde 
Gestalten führte; solche Einheit des Begriffs über der Mannig 
faltigkeit der Erscheinung ist dem ursprünglichen China ganz 
fremd. Unbekümmert mehrt sich hier das Gedränge der
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.