Full text: Der Stern der Erlösung

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ERSTER TEIL: ZWEITES BUCH 
Gegen diese metalogische Ansicht des menschlichen Ge 
meinlebens, deren Begrenzung wir hier in der Gegenüberstel 
lung mit der idealistischen aufzeigten, hat nun auch das Alter 
tum selber schon rebelliert, aber nicht mit einer andern Lehre 
vom Gemeinleben, sondern schlechtweg vom Standpunkt des 
Einzelmenschen aus, der es nicht wahrhaben will, daß er nur 
Teil eines Ganzen sein solle. Die sophistische Revolution ist 
gerade deshalb so lehrreich, weil sie über diesen an sich tief 
sinnigen und richtigen Grundgedanken nicht hinauskommt. Sie 
proklamiert die freie Herrlichkeit des Menschen gegen alle 
Dinge und über alle Ordnungen. Aber dabei bleibt es. Sie 
vermag nicht zu sagen, wie denn diese freie Natur des 
Menschen sich in allen Dingen und Ordnungen durchsetzen 
soll. Sie macht den Menschen zu der Dinge Maß. Aber den 
Dingen ist sehr gleichgültig, wie und von wem und mit 
welchem Stabe sie gemessen werden; nur wer sie bewegt, 
nicht wer sie mißt, macht Eindruck auf sie. Und so bleibt die 
sophistische Revolution ein Sturm im Glas Wasser; es ist 
nicht wahr, daß sie das antike Staatsbewußtsein entwurzelt 
habe. Die Polis blieb, was sie war, ja sie wurde es noch 
mehr, und die großen Jahrhunderte der größten Polis, Roms, 
verlaufen schon im vollen Licht der sophistischen Staatskritik, 
die ihr wenig anhaben kann. Die mangelnde Aktivität macht 
den sophistischen Menschenbegriff genau so unfähig zu einer 
neuen Lösung der Probleme des metalogischen Mikrokosmos, 
wie die Unaktivität des philosophischen Gottesbegriffs diesen 
unfähig machte zur Lösung des makrokosmischen Problems. 
D enn ein Ungelöstes bleibt in der metalogischen Welt 
ansicht so gut wie zuvor in dem metaphysischen Gottes 
begriff. Und dennoch: wie dort so auch hier »sinds die 
Griechen«, die den Gedanken zur höchsten Entwicklung, die 
ihm in der Isolierung möglich war, vorgetrieben haben. Wieder 
um sie und nicht die Märchenvölker des Ostens. Die sind auch 
hier in den Vorhöfen des Ja und des Nein, des Dämmers und 
des Rauschs stehen geblieben, wo die Griechen den Schritt 
zum Und, zur runden Gestalt, vordrangen. Wiederum haben
        

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