Full text: Der Stern der Erlösung

METALOGIK 
II 
erklären, was im einen Fall unmöglich wird, weil sie aus dem 
Blickfeld verschwindet, im andern, weil sie zum in sich 
geschlossenen Ganzen, zum »Hier« wird, dem die Aussicht ins 
Unendliche, »nach dorten«, verrannt ist. Von der metalo 
gischen Ansicht des Mikrokosmos als einer nach äußen be 
grenzten, nach innen durchgestalteten, plastischen Gestalt 
kommt also auch dieser große Theolog des Heidentums nicht 
los. Das was er sucht, die Auflösung des Widerspruchs, der 
zwischen dem unendlichen All- und Einheitsanspruch des 
Denkens und der endlichen, nur unendlich reichen Ganzheit der 
Welt besteht, das hat er nicht gefunden. Es zu finden hinderte 
ihn die Unfähigkeit, das theologisch-kosmologische Entweder- 
Oder durch ein Sowohl=als=auch zu ersetzen. 
Während so dem Makrokosmos gegenüber die metalo 
gische Ansicht nicht ohne innere Schwierigkeit aufrecht zu 
halten war, schiea sie am Mikrokosmos leicht durchzuführen, 
freilich nur scheinbar. Das Problem des Verhältnisses von 
Individuum und Gattung wurde von der Menschheit des Alter 
tums, wie es scheint, theoretisch wie praktisch im metalo 
gischen Sinn gelöst. Volk. Staat und welches sonst die antiken 
Gemeinschaften sein mögen, sind Löwenhöhlen, in die das 
Individuum wohl Spuren hinein, keine hinausführen sieht. 
Recht eigentlich tritt dem Menschen die Gemeinschaft als 
Ganzes entgegen; er weiß, daß er nur Teil ist. Diese Ganzen, 
denen gegenüber er nur Teil, diese Gattungen, denen gegen 
über er nur Vertreter ist, sind über sein sittliches Leben ab 
solute Mächte, obwohl sie doch an sich keineswegs absolut, 
sondern selber wieder Exemplare der Gattung Staat, Volk 
überhaupt sind. Für den Einzelnen ist seine Gemeinschaft 
die Gemeinschaft. Eben durch diese Geschlossenheit nach 
außen und Unbedingtheit nach innen werden sie jene durch 
gestalteten Einzelwesen, für die eine tiefsinnige Betrachtung 
ganz von selbst auf den Vergleich mit dem Kunstwerk geriet. 
Nicht Organisation ist das Geheimnis des antiken Staats. 
Organisation ist eine durchaus idealistische Staatsbildung. Im 
durchorganisierten Staat stehen Staat und Einzelner nicht im
        

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