Full text: Der Stern der Erlösung

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ERSTER TEIL: ZWEITES BUCH 
eine wo immer heimische außerweltliche Einheit, braucht nun 
nicht mehr mit einer Aktivität belastet zu werden, die seinem 
weltlichen Wesen, seiner Vielfältigkeit und Anwendbarkeit, 
gradezu widerspricht; er bewirkt die Einheit der Welt nur von 
innen, gewissermaßen nicht als ihre äußere, sondern als ihre 
innere Form. Die äußere Einheit hat dies metalogische All 
schon von Haus aus, indem es nicht »das« — denkbare —, 
sondern »ein« — gedankenvolles —, nicht das geistgeschaffene, 
sondern ein begeistetes All ist. Der Logos ist nicht wie von 
Parmenides bis Hegel Weltschöpfer, sondern Weltgeist, besser 
vielleicht noch Weltseele. Der so wieder zur Weltseele 
gewordene Logos kann nun dem Wunder des lebendigen 
Weltleibs sein Recht widerfahren lassen. Der Weltleib braucht 
nicht mehr als eine unterschiedslose, chaotisch wogende 
Masse von »Gegebenheit« dazuliegen, bereit, von den logischen 
Formen ergriffen und geformt zu werden, sondern er wird 
zum lebendigen, stets erneuerten Schwall der Erscheinung, 
der über den still geöffneten Schoß der Weltseele niedergeht 
und sich mit ihr vereinigt zur gestalteten Welt. 
Verfolgen wir den Weg jenes Niedergehens des Besonderen 
über das Allgemeine näher. Das Besondere — erinnern wir 
uns des Symbols »B« — ist richtungslos, das Allgemeine 
— »=A« — ist selber passiv, unbewegt; aber indem es Anwen 
dung verlangt, geht eine anziehende Kraft von ihm aus. So 
bildet sich um das Allgemeine ein Kraftfeld der Anziehung, in 
das das Besondere unter dem Zwange seiner eigenen Schwere 
hineinstürzt. Indem wir ähnlich wie vorhin innerhalb Gottes, 
so auch hier zwei Punkte dieser Bewegung besonders aus 
zeichnen, beschreiben wir gewissermaßen die ganze Kurve des 
Vorgangs. Der eine dieser Punkte ist der, wo nach einem 
Stück reinen, richtungs- und bewußtseinslos blinden Stürzens 
das Besondere sich seiner gezogenen Bewegung nach dem 
Allgemeinen hin gewissermaßen bewußt wird und ihm dadurch 
die Augen über seine eigene Natur aufgehen. In diesem Augen 
blick wird das vorher blinde Besondere überhaupt zum seiner 
Besonderheit bewußten, und das heißt: zum seiner Richtung
        

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