Full text: Der Stern der Erlösung

ZWEITES BUCH 
DIE WELT UND IHR SINN 
ODER 
METALOGIK 
W AS wissen wir denn von der Welt? Sie scheint * 
uns zu umgeben. Wir leben in ihr, aber sie ist 
auch in uns. Sie dringt auf uns ein, aber mit 
jedem Atemzug und jedem Regen unsrer Hände strömt sie 
auch von uns aus. Sie ist uns das Selbstverständliche, selbst 
verständlich wie das eigene Selbst, selbstverständlicher als 
Gott. Sie ist das Verständliche schlechtweg, das was die 
besondere Eignung wie Bestimmung hat, verstanden zu 
werden und zwar aus sich selbst, — selbstverständlich zu 
sein. Über diese Selbstverständlichkeit ist aber die Philo 
sophie längst zur Tagesordnung übergegangen und hat in 
immer erneutem Anlauf bald das Ich, bald Gott zum Aus 
gangspunkt des Verstehens machen wollen und so die Selbst- 
Verständlichkeit der Welt gradezu auf Null reduziert. Was 
dann als Wissen vom »Ding an sich« oder wie immer dieser 
unendlich kleine Restbetrag genannt wird, schließlich noch 
von der Selbstverständlichkeit der Welt übrig bleibt, wäre 
recht eigentlich Gegenstand einer negativen Kosmologie. Daß 
man diesen Namen nicht mit ähnlichem Behagen aufgegriffen 
hat wie den einer negativen Theologie, hängt wohl mehr an 
allgemein kulturellen Sym- und Antipathien als an sachlichen 
Gründen. Denn die Liebhaber Gottes sind häufig keine Lieb 
haber des Wissens und umgekehrt. Ein derartiger Gegensatz 
besteht zwischen den Liebhabern der Welt und denen des 
Wissens nicht; im Gegenteil, sie sind, wie ja auch die Begriffe 
Welt und Wissen selber, mehr oder weniger auf einander an 
gewiesen. So ging das »Ergebnis der Wissenschaft«, daß 
man von Gott nichts wissen könne, besser ein als das gleiche
        

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