Full text: Der Stern der Erlösung

METAPHYSIK 
unsterblich. Der Tod liegt unter ihnen. Sie haben ihn nicht 
besiegt, aber er wagt sich nicht an sie heran. Sie lassen ihn 
in seinem Reich gelten, entsenden wohl einen aus ihrem 
unsterblichen Kreis, über jenes Reich zu walten. Dies ist 
dann die uneingeschränkteste, ja eigentlich die einzige Herr 
schaft im strengeren Sinn, die sie ausüben. In die Welt des 
Lebendigen greifen sie wohl ein, aber sie herrschen nicht 
darin, — sie sind lebendige Götter, aber nicht Götter des 
Lebendigen; denn dazu gehörte ein wirkliches Aussichheraus- 
treten, und das läge dieser »leichtlebigen« Lebendigkeit der 
Olympier nicht; nur auf die Fernhaltung des Todes von ihrer 
unsterblichen Welt wird eine gewisse planmäßige- Aufmerk 
samkeit verwendet. Im übrigen leben die Götter unter sich. 
Daran ändert auch ihr viel berufenes Verhältnis zu den 
»Kräften der Natur« nichts. Denn der Begriff der Natur als 
eines Reichs eigener Gesetzlichkeit im Gegensatz zu einem 
etwaigen »Übernatürlichen« existiert noch gar nicht. Die 
Natur ist stets die eigene Natur der Götter. Wenn ein Gott 
mit einem Gestirn oder irgend etwas dergleichen zusammen 
gebracht wird, so wird er dadurch nicht, wie wir es uns 
immer wieder in Rücktragung unsres Naturbegriffs vorstellen 
möchten, zum Gott des Gestirns, sondern das Gestirn wird 
Gott oder mindestens Teil des Gottes. Und wenn von diesem 
göttlichen Walten der Gestirne ein Kraftfeld ausstrahlt über 
alles irdische Geschehen, so wird damit dieses irdische 
Geschehen nicht der Waltung der göttlichen Gestirne unter 
stellt, sondern es wird gewissermaßen hinaufgehoben in jene 
göttliche Sphäre, Teil dieses Ganzen; es hört auf, selbständig 
zu sein, wenn es das je war; es wird selbst göttlich. Immer 
bleibt die Welt der Götter eine Welt für sich, selbst wenn sie 
die ganze Welt umschließen; die umschlossene Welt ist dann 
nichts für sich, zu dem der Gott erst in ein Verhältnis treten 
müßte, sondern eben ein von ihm Umschlossenes. So ist Gott 
hier ohne Welt; oder wenn man umgekehrt diese Vorstellung 
gerade als eine Weltanschauung charakterisieren möchte, so 
wäre diese Welt des unter sich bleibenden Götterlebens —
        

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