Full text: Der Stern der Erlösung

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DRITTER TEIL: DRITTES BUCH 
Gefahr ermöglicht. Und das Alte Testament nur, weil es mehr 
als bloß Buch ist. Das bloße Buch würden die Künste alle 
gorischer Deutung leicht klein kriegen. So gut wie Christus 
die Idee des Menschen, so gut würden die Juden des Alten 
Testaments, wären sie ebenso von der Erde verschwunden 
wie Christus, die Idee des Volks, Zion die Idee des Weltmittel 
punkts bedeuten. Aber solcher »Idealisierung« widersetzt sich 
die handfeste, nicht zu leugnende, ja eben im Judenhaß be 
zeugte Lebendigkeit des jüdischen Volks. Ob Christus mehr 
ist als eine Idee — kein Christ kann es wissen. Aber daß 
Israel mehr ist als eine Idee, das weiß er, das sieht er. Denn 
wir leben. Wir sind ewig, nicht wie eine Idee ewig sein mag, 
sondern wir sind es, wenn wirs sind, in voller Wirklichkeit. 
Und so sind wir dem Christen das eigentlich Unbezweifel- 
bare. Der Pfarrer argumentierte schlüssig, der dem großen 
Friedrich, gefragt nach dem Beweis des Christentums, 
erwiderte: »Majestät, die Juden«. An uns können die Christen 
nicht zweifeln. Unser Dasein verbürgt ihnen ihre Wahrheit. 
Darum ist es vom christlichen Standpunkt aus nur folgerecht, 
wenn Paulus die Juden bleiben läßt bis zum Ende, — bis »die 
Fülle der Völker eingegangen ist«, eben bis zu jenem Augen 
blick, wo der Sohn die Herrschaft dem Vater zurückgibt. Das 
Theologumen aus der Urzeit christlicher Theologie spricht aus, 
was wir hier erklärten: daß das Judentum in seinem ewigen 
Fortleben durch alle Zeit, das Judentum, das im »alten« Testa 
ment bezeugt wird und selber von ihm lebendig zeugt, der Eine 
Kern ist, von dessen Glut die Strahlen unsichtbar genährt 
werden, die im Christentum sichtbar und vielgespalten in die 
Nacht der heidnischen Vor- und Unterwelt brechen. 
Vor Gott sind so die beiden, Jude und Christ, Arbeiter am 
gleichen Werk. Er kann keinen entbehren. Zwischen beiden 
hat er in aller Zeit Feindschaft gesetzt und doch hat er sie aufs 
engste wechselseitig aneinander gebunden. Uns gab er ewiges 
Leben, indem er uns das Feuer des Sterns seiner Wahrheit in 
unserm Heizen entzündete. Jene stellte er auf den ewigen 
Weg, indem er sie den Strahlen jenes Sterns seiner Wahrheit
        

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