Full text: Der Stern der Erlösung

DRITTER TEIL: DRITTES BUCH 
5± 
diesen äußersten Aussichten des Gefühls keine Brücken mehr. 
Daß Gott Geist sei, steht unverbunden daneben, daß er alles 
in allem sei, und unverbunden auch neben dem andern, daß 
der Sohn, der der Weg ist, auch die Wahrheit sei. Der 
Gedanke der Schöpfung vermittelt nicht zwischen der einen, 
der der Offenbarung nicht zwischen der andern Unver 
bundenheit. Allenfalls in mythologischen Bildern, wie dem 
Geist, der über den Wassern schwebt, und der Geistausgießung 
in der Johannestaufe, stellt sich ein gewisser Zusammenhang 
her, der aber Bild bleibt, nicht zur Einheit des Gefühls zu 
sammenfließt. Nur zwischen den beiden letzten Gedanken, 
der Göttlichkeit des Sohns und der Verheißung, daß Gott Alles 
in Allem sein wird, wölbt sich eine Brücke. Der Sohn, so 
lehrt es der erste Theolog des neuen Glaubens, wird einst, 
wenn ihm alles untergetan sein wird, seine Herrschaft dem 
Vater übergeben, und dann wird Gott sein Alles in Allem. Aber 
man sieht gleich: das ist ein Theologumen. Es ist für die christ 
liche Frömmigkeit bedeutungslos, es schildert eine entfernte, 
weit entfernte Zukunft, es handelt von den letzten Dingen, in 
dem es ihnen ausdrücklich allen Einfluß auf die Zeit nimmt, 
denn noch und in aller Zeit gehört die Herrschaft dem Sohn 
und ist Gott nicht Alles in Allem; es schildert eine durchaus 
jenseitige Ewigkeit. Und so hat dieser Satz in der Geschichte 
der Christenheit auch nie mehr bedeutet als eben ein — Theo 
logumen, einen Gedanken. Brücke, auf der sich das Gefühl 
vom einen zum andern Ufer hin und her bewegte, war er 
nicht und konnte er nicht sein. Dazu waren die beiden Ufer 
zu ungleich gestaltet, jenes zu sehr nur zeitlich, dieses zu sehr 
nur ewig. Es war zwar ein Gedanke, daß der Menschensohn 
einmal seine Herrschaft abgeben würde, aber das ändert 
nichts daran, daß er in der Zeit vergöttert wurde. Es war 
zwar ein Gedanke, daß Gott einmal Alles in Allem sein würde, 
aber das ändert nichts daran, daß ihm auf das Etwas im Etwas 
dieser Zeitlichkeit, wo sein Platzhalter Herr war, recht wenig 
Einfluß verstattet wurde. Das Gefühl betrat den Brückenbogen 
nicht. Es hielt sich hier wie überall an die einzelnen Punkte,
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.