Full text: Der Stern der Erlösung

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DRITTER TEIL: DRITTES BUCH 
jüdischen Gott und den jüdischen Menschen die ganze Offen 
barung und verankert dadurch beide, Gott wie den Rest, in 
die ganze Tiefe der — Offenbarung. Was in der Mystik der 
Schöpfung durch jene Vielbedeutsamkeit und Vieldeutsamkeit 
des Gesetzes geschah, die Erweiterung des Jüdischen zum All 
gemeinen, das geschieht in dieser Mystik der Offenbarung 
durch das tiefsinnige Verständnis, das in Gottes Selbsthingabe 
an Israel ein göttliches Leiden, das eigentlich nicht sein dürfte, 
ahnt und in Israels Selbstabscheidung zum Rest ein Wohnung* 
werden für den verbannten Gott. Eben dieses göttliche Leiden 
kennzeichnet das Verhältnis zwischen Gott und Israel als ein 
enges, ein zu Geringes: Gott selbst, indem er sich — was wäre 
denn natürlicher für den »Gott unsrer Väter«! — Israel »ver 
kauft« und sein Schicksal mitleidet, macht sich erlösungs 
bedürftig. Das Verhältnis zwischen Gott und dem Rest weist 
so in diesem Leiden über sich selbst hinaus. 
Die Erlösung aber — sie müßte nun geschehen in dem Ver 
hältnis des »Rests« zum »Gesetz«. Wie wird dies Verhältnis 
gedacht? Was bedeutet dem Juden die Erfüllung des Gesetzes? 
was denkt er sich dabei? weshalb erfüllt ers? Um des himm 
lischen Lohns willen? Seid nicht wie Knechte, die ihrem Herrn 
um Lohnes willen dienen. Um der irdischen Befriedigung 
willen? Sprich nicht: ich mag kein Schweinefleisch; sprich: 
ich möchte es wohl, aber mein Vater im Himmel hat es mir 
verboten. Sondern der jüdische Mensch erfüllt die unend 
lichen Bräuche und Vorschriften »zur Einigung des heiligen 
Gottes und seiner Schechina«. Mit dieser Formel bereitet er 
»in Ehrfurcht und Liebe« sein Herz, er der Einzelne, der Rest, 
»im Namen ganz Israels«, das Gebot, das ihm grade obliegt, 
zu erfüllen. Die in zahllose Funken in alle Welt zerstreute 
Gottesherrlichkeit, er wird sie aus der Zerstreuung sammeln 
und zu dem seiner Herrlichkeit Entkleideten dereinst wieder 
heimführen. Jede seiner Taten, jede Erfüllung eines Gesetzes 
vollbringt ein Stück dieser Einigung. Gottes Einheit bekennen 
— der Jude nennt es: Gott einigen. Denn diese Einheit, sie ist 
indem sie wird, sie ist Werden zur Einheit. Und dies Werden
        

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