Full text: Der Stern der Erlösung

METAPHYSIK 
beständigen Neuheit unendlich ist und ihr nichts vorausgehen 
kann, weil es nichts neben ihr gibt, sondern sie ein stets Ein 
maliges, aber nie Einzelnes ist, so ergibt sich als Symbol für 
sie das »A=«. Wie dies Symbol für die göttliche Freiheit sich 
mit dem für das göttliche Wesen zusammenfindet und dadurch 
erst die Gleichung und mit ihr die erste Antwort auf die Frage 
nach Gott zustande kommt, das sei nun dargestellt. 
D ie Freiheit geht auf ein Unendliches. Als Freiheit ist sie 
endlich; insofern sie auf ein Unendliches geht, ist sie 
Macht, unendliche Macht, schroff gesagt: unendliche Willkür. 
Als der unendliche Gegenstand, den sie verlangt, liegt ihr vor 
nur das Wesen. Aber in dem Wesen, wie es denn symbo 
lisiert war durch einen bloßen Buchstaben ohne das Gleich 
heitszeichen, liegt keinerlei ausgesprochene Richtung, weder 
eine tätige noch eine empfängliche, die jener Kraft entgegen 
drängt; das göttliche Wesen ruht im unendlichen Schweigen 
des reinen Daseins, der stummen Tatsächlichkeit. Es ist. So 
scheint die Willkür, weder gerufen noch gezogen, sich über 
das Wesen stürzen zu können. Aber indem sie sich ihm 
nähert, gerät sie gleichwohl in den Bannkreis seines trägen 
Seins. Ohne daß etwa dies Sein ihr eine Kraft entgegen 
schickt, fühlt sie dennoch ihre eigene Kraft erlahmen; die 
unendliche Macht spürt mit jedem Schritt, den sie sich dem 
Wesen nähert, einen wachsenden Widerstand, einen Wider 
stand, der am Zielpunkt, beim Wesen selbst, unendlich werden 
würde; denn hier würden die Äußerungen der Macht ver 
schluckt von dem durchgängig ausgebreiteten, träge da 
liegenden »Es ist«, »So ist es« des Wesens. An dem Brenn 
punkt der Unendlichkeit des trägen Ja würde die unendlich 
geschwächte Macht des unendlich aktiven Nein erlöschen. So 
müssen wir die Macht, wie sie selber schon nicht mehr das 
ursprüngliche unendliche Nein, sondern schon dies Nein auf 
dem Wege zu seiner Machtausübung am trägen So des Ja ist, 
erfassen vor dem Ende der Bewegung, also ehe die Trägheit 
des Soseins als unendliche wirken kann. Dieser Punkt, wo
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.