Full text: Der Stern der Erlösung

322. 
DRITTER TEIL; DRITTES BUCH 
geboren zum neuen Gott, zur neuen Welt, zum neuen Men* 
sehen. Nur als Schrifttäfelchen standen noch zu Häupten der 
drei Kreuze die dunkeln von heidnischer Hand geschriebenen 
Bezeichnungen, in denen die Christenheit den eignen offen 
baren Sinn las: der verborgene Gott, der verschlossene 
Mensch, die verzauberte Welt. 
Das All des verborgenen Gottes enthüllten die Wege des 
Vaters und des Sohnes. Sie strahlten aus vom Stern der Er 
lösung, aber sie strahlten auseinander und schienen sich zum 
Gegensatz zweier Personen verfassen zu wollen; vor dem 
brach zwar das Heidentum in seiner grundsätzlichen Unbe 
stimmtheit zusammen und immer wieder zusammen; denn jede 
neue Unbestimmtheit verfing sich wieder in diesem stets ge 
öffneten Entweder-Oder; die weltlich-gegenständlichen 
Gründe, die zur Schaffung neuer Götter führen konnten, wur 
den aufgefangen im Glauben an den Vater, die menschlich-per 
sönlichen im Glauben an den Sohn. Das Heidentum war so 
wirklich am Ende seiner Weisheit, aber das Christentum 
schien über es den Sieg zu gewinnen nur, indem es seinen 
Gottesbegriff selber ihm anpaßte und so das Ende der heid 
nischen Weisheit nur erkaufte um den Fluch, dauernd auf dem 
Anfang des Wegs bleiben zu müssen. So bezeichnete es selber 
in dem Begriff des Geists, der aus beiden, aus Vater und Sohn 
hervorgeht, den Punkt, wo sich beide, Vater und Sohn, jen 
seits des Wegs, wenn erst die Welt sich unter diesem Kreuze 
versammelt hat, wieder zusammenfinden. Die Anbetung Gottes 
im Geist und in der Wahrheit, die Verheißung, daß der Geist 
die Christenheit leiten wird, — darin erlischt der heidnische 
Trieb, dem das christliche Credo sich anbequemen mußte, um 
die Heiden zu gewinnen; er erlischt, um freilich einer neuen 
Gefahr den Platz zu räumen: einer Geistvergötterung oder 
besser einer Gottvergeistigung, die über dem Geist Gott selbst 
vergäße, der in der erhofften Schau die lebendig unberechen 
bar lebenschaffende und -weckende Gewalt Gottes selbst ver 
loren ginge und die, trunken von der Hoffnung, ihn zu schauen, 
und von der Fülle des Geistes, die Fühlung mit der in stetem
        

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