Full text: Der Stern der Erlösung

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ERSTER TEIL: ERSTES BUCH 
Gottes Wesen war unendliches Ja. Jenes Ja ließ das Nichts 
als ein des Unendlichen entleertes zurück. Aus diesem end 
lich gewordenen entrang sich in ursprünglicher Selbstver 
neinung das freie Nein. Es trägt die Narben des Kampfs, in 
dem es hervorbrach. Es ist unendlich in seinen Möglichkeiten, 
in dem, worauf es geht; denn es geht schlechthin auf alles; 
alles ist ihm »andres«; aber es selbst ist stets »eines«, stets 
begrenzt, stets — endlich, wie es ja in der Selbstverneinung 
des endlich gewordenen Nichts hervorbrach. Es bricht in alle 
Ewigkeit hervor; denn alle Ewigkeit ist ihm bloß »andres«, ist 
ihm bloß unendliche Zeit. Es ist diesem ihm stets »andern« 
gegenüber in alle Zeit das Einmalige, das immer Neue, immer 
Erstmalige. Dem unendlichen göttlichen Wesen tritt gegen 
über die göttliche Freiheit, die endliche Gestalt der Tat, einer 
Tat freilich, deren Mächtigkeit unerschöpflich ist, die sich ins 
Unendliche immer neu aus ihrem endlichen Ursprung heraus 
ergießen kann, kein unendliches Meer, sondern eine un 
erschöpfliche Quelle. Dem einfürallemal so wie es ist be= 
schaffenen Wesen tritt entgegen die allzeit neu sich offen 
barende Freiheit der Tat, eine Freiheit aber, für die wir noch 
keinen andern Gegenstand denken dürfen außer der Unend 
lichkeit jenes immerwährenden Wesens. Es ist keine Freiheit 
Gottes, Gott ist uns auch jetzt noch Problem. Es ist göttliche 
Freiheit, Freiheit in Gott und in Bezug auf Gott. Wir wissen 
auch jetzt noch nichts von Gott. Wir sind noch beim Stück 
werk des Wissens, noch beim Fragen, nicht beim Antworten. 
Suchen wir das eben gewonnene Stück, die göttliche Frei 
heit, ebenso in einem Symbol einzufangen wie zuvor das gött 
liche Wesen. Als ursprüngliches Nein haben wir die göttliche 
Freiheit auf die linke Seite der zukünftigen Gleichung zu 
stellen. Und da es ein Nein ist, das als ursprüngliches Sub 
jekt mit unbeschränkter Macht über sich hinaus (wenn auch, 
wie stets wieder betont werden muß, nur innerhalb Gottes 
über sich hinaus) greift, so wird das Symbol nach dem Schema 
»y=« zu bilden sein. Und da schließlich diese Freiheit zwar 
in ihrer allzeit erneuerten Einmaligkeit endlich, aber in ihrer
        

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