Full text: Der Stern der Erlösung

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DRITTER TEIL: DRITTES BUCH 
So werden Anfang, Mitte, Ende gleich unmittelbar, näm 
lich gleich unvermittelbar, nicht mehr zu vermitteln, weil 
schon selber Mitte. Anfang und Ende so unmittelbar wie die 
Mitte. — nun ist das All, das einst zerschmetterte, wieder zu 
sammengewachsen. Die Offenbarung in ihrer Unmittelbarkeit 
hatte den Kitt gegeben, der den uralten Bruch heilte. Das reine 
Denken des Idealismus vermaß sich wohl, »im Gleichmach- 
werkzeug, im Gehirne« die unreimbare Zeile »die anhebt: 
Gott, der Mensch und die Gestirne« zu reimen. Zu »reimen« 
sind aber die dreie, Gott Welt Mensch, nicht. Sondern es war 
das die erste Forderung, daß man sie schlicht in ihrer unge 
reimten Tatsächlichkeit aufnahm. Wie in der Weltgeschichte, 
so muß auch hier das echte metaphysisch=metalogisch=meta- 
ethische Heidentum vorangehen, ehe die Offenbarung ihren 
Mund auftun kann. Die Ausgleichung und Angleichung, die 
Reimung des Ungereimten, die der Idealismus unternimmt, zer 
stört nur die reine Tatsächlichkeit, in der die dreie ursprüng 
lich jedes für sich stehen; die handfesten Gestalten Mensch, 
Welt, Gott zerrinnen in die Nebelbilder Subjekt Objekt Ideal, 
Ich Gegenstand Gesetz, oder welche Namen nun sonst ihnen 
zugebilligt werden. Sind aber die Elemente einfach auf 
genommen, so können sie zusammentreten, nicht um sich zu 
»reimen«, sondern um in ihrer Wirkung aufeinander eine Bahn 
zu erzeugen. Nicht Gott oder der Mensch oder die Welt ist 
das, was in der Offenbarung unmittelbar sichtbar wird; im 
Gegenteil: Gott Mensch Welt, die im Heidentum sichtbare 
Gestalten waren, verlieren hier ihre Sichtbarkeit; Gott scheint 
verborgen, der Mensch verschlossen, die Welt verzaubert. 
Sichtbar abef wird ihr wechselweises Aufeinanderwirken. 
Nicht Gott Mensch Welt sind das Unmittelbare, das hier 
erlebt wird, sondern — Schöpfung, Offenbarung, Erlösung. In 
ihnen erleben wir es, Geschöpf zu sein und Kind und gläubig* 
ungläubige Träger des Namens durch die Welt. Aber diese 
Unmittelbarkeit des Erlebens führt uns so wenig wie jene erste 
Unmittelbarkeit des Erkennens in ein unmittelbares Verhältnis 
zum All. Das Erkennen hatte zwar Alles, aber nur als Eie-
        

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