Full text: Der Stern der Erlösung

DER STERN ODER DIE EWIGE WAHRHEIT 
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nach ist. Das reine Zuvor, die urgeschaffne Vorwelt, ist zu 
dunkel, als daß wir die Hand des Schöpfers in ihr schon er 
kennen möchten. Und das reine Hernach, die erlöste Überwelt, 
ist zu licht, als daß wir in ihr das Antlitz des Erlösers noch er 
blicken könnten; er thront über den jährlich wiederkehrenden 
Lobgesängen der Erlösten. Nur in der unmittelbaren Umgebung 
jenes Herzpunkts des Alls, der Offenbarung der göttlichen 
Liebe, wird auch vom Schöpfer und Erlöser soviel offenbar, 
als uns offenbar werden mag; die Offenbarung lehrt uns dem 
Schöpfer vertrauen, des Erlösers harren. So läßt sie uns auch 
Schöpfer und Erlöser nur erkennen als den Liebenden. 
Der Liebende also ist es, den wir allein unmittelbar er 
blicken. Als der Liebende allein ist Gott nicht der Herr. Da 
ist er tätig. Er ist nicht über seiner Tat. Er ist darin. Er ist 
eins mit ihr. Er liebt. Nur als der Herr ist er in einem Jen* 
seits dessen, wessen er Herr ist. Der Herr des Lebens und des 
Todes ist selber jenseits deS Lebens und des Todes. Was er 
als Herr des Todes sei, sein Wesen vor der Schöpfung, das 
entzieht sich jedem Gedanken. Die Offenbarung reicht nur bis 
zum Schöpfer. Ihr erstes Wort ist: »im Anfang«, ihr zweites: 
»schuf«. Was vor dem Anfang läge, jene Lebendigkeit Gottes 
in sich, die aus göttlicher Selbstschöpfung, Selbstoffen 
barung, Selbsterlösung wuchs, konnten wir nur gleichnis 
weise, nur als ein Gleichnis nämlich der echten Schöpfung, 
Offenbarung, Erlösung schildern, indem wir Gott selber in 
sich erfahren ließen, was von ihm ausgeht. Daß einen solchen 
gewordenen Gott die Heiden kannten, gab uns wohl einen 
Fingerzeig, daß dies mehr sein müsse als nur ein Gleichnis. 
Aber aus diesem Fingerzeig entsprang kein Wort. Jene in 
sich verborgene Lebendigkeit verbarg diesen Gott auch vor 
uns. Der Gewordene ward zum Verborgenen. Auf die Frage, 
was er sei, hätten wir ehrlich antworten müssen: Nichts. Denn 
eine Lebendigkeit im Ungeschaffnen, im Reiche des Toten, ist 
nichts. Der heidnische Gott ist nicht tot, aber Herr des Toten 
und allerdings nur des Toten, nur des Nichts. Nur im Toten 
reiche übt diese Göttergesellschaft eine Herrschaft aus. Sonst
        

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