Full text: Der Stern der Erlösung

DIE STRÄHLEN ODER DER EWIGE WEG 
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Krippe, sondern das Kreuz immer gegenwärtig; dies, nicht jene, 
hat er immer vor Augen; wie uns von der Thora gesagt ist, so 
könnte ihm vom Kreuz gesagt werden, es müsse »in seinem 
Herzen sein, auf daß seine Schritte nicht gleiten«. 
Diese Gegenwärtigkeit macht nun das Osterfest auch zum 
eigentlichen Fest des Sakraments. Wie das eucharistische 
Mahl im Zusammenhang der Osterereignisse eingesetzt ist, so 
wird es auch hier vornehmlich empfangen. Und über diese 
Gegenwärtigkeit hinaus sucht nun die Kirche hier, sei es in der 
musikalischen Messe, sei es im Passionsoratorium, den Men 
schen ganz unmittelbar sinnlich unters Kreuz zu stellen; er 
muß das Haupt voll Blut und Wunden grüßen, unmittelbar von 
Angesicht zu Angesicht. So wird diese ganze Festzeit, von 
den Fasten über den Karfreitag hin zum Auferstehungstag, eine 
einzige Vergegenwärtigung des großen Zentralereignisses des 
christlichen Lebens: die Fasten lange Vorbereitung; der stille 
Freitag, den die römische Kirche zurücktreten läßt und die pro 
testantische, der die Fasten fehlen, um so höher feiert, das 
Ereignis selbst; endlich Ostern der mächtige Ausklang, inner 
halb dieses Fests der Offenbarung der Tag der Erlösung. 
Der Erlösung selbst ist von den drei Festzeiten die dritte, 
das Pfingstfest, gewidmet. Es kann sie natürlich nur vorweg 
nehmen, eben weil es ja innerhalb der Offenbarung bleibt. Es 
muß sie als einen letzten Akt des Erdenwandels Christi zur 
Anschauung bringen, ebenso wie das Hüttenfest an die end 
liche Ruhe erinnern konnte nur in der vorläufigen während der 
Wanderung. So kann die Pfingstzeit notwendig nur an den 
Anfang der Erlösung erinnern, nicht an ihren Verlauf, ge 
schweige ihr Ende. Sie muß den Punkt bezeichnen, wo der 
Weg der Christenheit aus dem schmalen Pfad des Herrn und 
seiner Jünger zur breiten Heerstraße der Kirche wird. Weil 
die endliche Erlösung, mindestens hier, noch nicht gefeiert 
wird, sondern nur ihr Vorklang in der Offenbarung, so kann 
denn dies Fest auch nicht jene höchste Gemeinsamkeit der 
Menschheit im schweigenden Anbeten selber darstellen, sondern 
muß sich begnügen, dazu aufzufordern, in freilich allgemeiner,
        

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