Full text: Der Stern der Erlösung

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ERSTER TEIL: ERSTES BUCH 
das sich schon zum Ja entschlossen hätte. Das Ja ist also der 
Anfang. Und zwar kann es nicht das Ja des Nichts sein; denn 
es ist der Sinn unsrer Einführung des Nichts, daß es nicht 
Ergebnis sein soll, sondern im Gegenteil Ausgangspunkt und 
nur Ausgangspunkt. Es ist noch nicht einmal Anfang. Es ist 
höchstens Anfang unsres Wissens. Es ist eben wirklich nur 
Ausgangspunkt, also schlechthin unfähig, selber bejaht zu 
werden. Ebenso unfähig freilich auch, wie schon gesagt, ver 
neint zu werden. Es liegt vor dem Ja wie vor dem Nein. Es 
läge vor allem Anfang — wenn es läge. Aber es »liegt« nicht. 
Es ist nur der virtuelle Ort für den Anfang unsres Wissens. 
Es ist nur die Markierung für das Gestelltsein des Problems. 
Wir vermeiden streng, es zu benennen. Es ist kein »dunkler 
Grund« noch sonst ein irgend mit Ekharts, Böhmes oder 
Schellings Worten Benennbares. Es ist nicht im Anfang. 
Im Anfang ist das Ja. Und da das Ja also nicht auf das 
Nichts gehen darf, so muß es auf das Nichtnichts gehen. Und 
weil dies Nichtnichts ja nicht selbständig gegeben ist — 
denn es ist überhaupt nichts gegeben außer dem Nichts —, so 
umschreibt die Bejahung des Nichtnichts als innere Grenze die 
Unendlichkeit alles dessen, was nicht Nichts ist. Es wird ein 
Unendliches bejaht: Gottes unendliches Wesen, seine unend 
liche Tatsächlichkeit, seine Physis. 
Das ist die Kraft des Ja, daß es überall haftet, daß 
unbegrenzte Möglichkeiten von Wirklichkeit in ihm liegen. 
Es ist das Urwort der Sprache, eins von denen, durch die — 
nicht etwa Sätze, sondern erst einmal überhaupt satzbildende 
Worte, die Worte als Satzteile, möglich werden. Ja ist kein 
Satzteil, aber ebensowenig' das kurzschriftliche Sigel eines 
Satzes, obwohl es als solches verwendet werden kann, 
sondern es ist der stille Begleiter aller Satzteile, die Bestäti 
gung, das »Sic«, das »Amen« hinter jedem Wort. Es gibt 
jedem Wort im Satz sein Recht auf Dasein, es stellt ihm den 
Sitz hin, auf dem es sich niederlassen mag, es »setzt«. Das 
erste Ja in Gott begründet in alle Unendlichkeit das göttliche 
Wesen. Und dies erste Ja ist »im Anfang«.
        

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