Volltext: Der Stern der Erlösung

METAPHYSIK 
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und allgemeinen All entschlagen haben. Wir kennen nur das 
einzelne (deswegen aber nicht etwa bestimmte, sondern nur 
bestimmungerzeugende) Nichts des einzelnen Problems. In 
unserm Fall also das Nichts Qottes. Gott ist hier unser Pro 
blem, unser Vor=wurf und Gegenstand. Eben daß er zunächst 
uns nichts weiter sein soll als ein Problem, drücken wir darin 
aus, daß wir mit seinem Nichts beginnen, das Nichts also zu 
seiner Voraussetzung (nicht etwa, wie zu Anfang schon 
bemerkt, zum Ergebnis) machen. Wir sagen gewissermaßen: 
wenn Gott ist, so gilt von seinem Nichts das folgende. In 
dem wir also das Nichts nur als das Nichts Gottes voraus 
setzen, führen auch alle Folgen dieser Voraussetzung nicht 
über den Rahmen dieses Gegenstandes hinaus. Es wäre also 
ganz falsch und ein Rückfall in den überwundenen Begriff des 
einen und allgemeinen Nichts, wenn wir in dem Hervor- 
quellen des »Wesens« und in dem Hervorbrechen der »Tat« 
das Wesen und die Tat allgemein, etwa das Wesen der Welt 
oder die auf Welt oder Menschen gerichtete Tat, abgeleitet zu 
haben dächten. Alle Begriffe, solange wir uns in dieser hypo- 
thetisierenden Bannmeile des Nichts bewegen, bleiben in 
dieser Bannmeile, bleiben unter dem Gesetz des Wenn und 
So, ohne aus dem Zauberkreis heraustreten zu können. Das 
Wesen etwa kann immer nur ein Wesen innerhalb Gottes 
bedeuten, die Tat nie auf einen außerhalb Gottes gedachten 
Gegenstand bezogen werden. Es bleibt bei lauter Reflexionen 
Gottes — wie nachher der Welt und nachher des Menschen — 
in sich selber. Wir haben das All zerschlagen, jedes Stück 
ist nun ein All für sich. Indem wir uns in dies Stückwerk 
unsres Wissens versenken, sind wir bei unserer Wanderung 
ins Reich der Mütter noch Knechte des ersten Befehls: des 
Befehls zu versinken. Das Steigen, und in ihm das Zusammen 
wachsen des Stückwerks zum Vollkommenen des neuen All, 
wird erst später kommen. 
D as Ja ist der Anfang. Das Nein kann nicht Anfang sein; 
denn es könnte nur ein Nein des Nichts sein; das setzte 
aber ein Nichts voraus, das verneinbar wäre, also ein Nichts,
        

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