Full text: Der Stern der Erlösung

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DRITTER TEIL: ZWEITES BUCH 
zuletzt sich doch ganz ins Ende zusammenballt, auf den spä 
testen Sproß zuletzt, den Messias, den wir erwarten, so bleibt 
auch die christliche Sammlung im Mittelpunkt schließlich doch 
nicht dort haften. Wohl mag der Christ Christus im Bruder 
erblicken, zuletzt treibt es ihn doch über den Bruder hinaus 
unmittelbar zu ihm selbst. Obwohl die Mitte nur Mitte ist 
zwischen Anfang und Ende, schiebt sich ihr Schwergewicht 
dennoch hinüber auf den Anfang. Der Mensch tritt unmittelbar 
unter das Kreuz; er mag sich nicht genügen lassen, daß er von 
der Mitte des Weges das Kreuz wie das Gericht in ewiger 
Nähe erblickt; er ruht nicht, bis ihm das Bild des Gekreuzig 
ten alle Welt verdeckt. Indem er sich so dem Kreuz allein zu 
wendet, mag er das Gericht vergessen, — auf dem Wege bleibt 
er doch. Denn das Kreuz ist ja, obwohl noch zum ewigen An 
fang des Wegs gehörig, doch schon nicht mehr der erste An 
fang, es ist selber schon auf dem Wege, und so steht, wer 
unter es getreten ist, in der Mitte und im Anfang zugleich. So 
drängt sich das christliche Bewußtsein, ganz versenkt in Glau 
ben, hin zum Anfang des Wegs, zum ersten Christen, zum Ge 
kreuzigten, wie das jüdische, ganz versammelt in Hoffnung, 
hin zum Manne der Endzeit, zu Davids königlichem Sproß. 
Der Glaube kann ewig sich an seinem Anfang erneuern, gleich 
wie die Arme des Kreuzes sich ins Unendliche ausziehen 
lassen; die Hoffnung vereint sich aus aller Vielfältigkeit der 
Zeit heraus ewig in dem einen fern und nahen Augenpunkt des 
Endes, gleich wie der Stern auf Davids Schild die Strahlen alle 
in den Feuerkern versammelt. Verwurzelung ins tiefste Selbst, 
das war das Geheimnis der Ewigkeit des Volkes gewesen. 
Ausbreitung durch alles Außen hin — das ist das Geheimnis 
der Ewigkeit des Wegs. 
A usbreitung ins Draußen, und nicht so weit als möglich, son 
dern, ob möglich oder unmöglich, Ausbreitung in alles, 
schlechthin alles Außen, das also dann auch in der jeweiligen 
Gegenwart höchstens ein Noch--Außen sein kann, — wenn es 
so unbedingt, so grenzenlos gemeint ist mit dieser Ausbrei
        

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