Full text: Der Stern der Erlösung

DIE STRAHLEN ODER DER EWIGE WEG 
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Als solcher kann er auch bei dem Einzelnen sein; in der 
Brüderlichkeit mit Christus weiß sich sogar der Einzelne — 
nicht erst zweie, die beisammen sind — schon als Christ und, 
obwohl anscheinend mit sich allein, dennoch, weil dies Allein 
sein Beisammensein mit Christus ist, als Glied der Kirche. 
Diesem Einzelnen ist Christus nahe in der Gestalt, auf die 
sich am leichtesten seine brüderlichen Gefühle richten können; 
denn der Einzelne soll ja bleiben, was er ist, der Mann Mann, 
das Weib Weib, das Kind Kind; so ist Christus dem Mann 
Freund, dem Weib Seelenbräutigam, dem Kind das Christ 
kindlein. Und wo Christus durch die Bindung an die ge 
schichtliche Person Jesu diesem Eingehen in die vertraute 
Gestalt des Nächsten und brüderlich zu Liebenden sich ver 
sagt, da treten, wenigstens in der Kirche, die ihre Gläubigen 
am innigsten auf dem Wege festhält und sie des Anfangs und 
des Endes weniger gedenken läßt, in der Liebeskirche Petri, 
für Christus selber seine Heiligen ein, und es wird dem Manne 
vergönnt, in Maria die reine Magd, dem Weibe, in ihr die 
göttliche Schwester, und jedem aus seinem Stande und sei 
nem Volke heraus den Heiligen seines Standes und Volkes, ja 
jedem aus seinem engsten in den Eigennamen eingeschlossenen 
Ich heraus seinen Namensheiligen brüderlich zu lieben. Und 
selbst vor den gestorbenen Gott am Kreuz, von dem der Weg 
anhebt, schiebt sich in dieser Kirche der Liebe, die noch 
eigentlicher als die andern Kirche des Wegs ist, die Gestalt 
des lebendig auf Erden Wandelnden, der hier mehr als in den 
Schwesterkirchen Vorbild wird, dem man nachfolgt als einem 
vorbildlichen Menschenbruder; wie andrerseits vor den Rich 
ter des iüngsten Gerichts, bei dem der Weg mündet, hier sich 
die ganze Schar der für ihre in Schwachheit befangenen Brü 
der und Schwestern fürbittenden Heiligen drängt. 
Die Brüderlichkeit schlingt so ihr Band zwischen den Men 
schen, die keiner dem andern gleichen; sie ist gar nicht Gleich 
heit alles dessen, was Menschenantlitz trägt, sondern Ein 
mütigkeit gerade von Menschen verschiedensten Antlitzes. 
Nur allerdings dies eine ist von nöten: daß die Menschen 
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