Full text: Der Stern der Erlösung

ERSTES BUCH 
GOTT UND SEIN SEIN 
ODER 
METAPHYSIK 
V ON Gott wissen wir nichts. Aber dieses Nichtwissen 
ist Nichtwissen von Gott. Als solches ist es der Anfang 
unsres Wissens von ihm. Der Anfang, nicht das Ende. 
Das Nichtwissen als Ende und Ergebnis unsres Wissens ist 
der Grundgedanke der »negativen Theologie« gewesen, 
welche die Vorgefundenen Behauptungen über Gottes »Eigen 
schaften« zersetzte und abtat, bis das Nicht aller dieser Eigen 
schaften als Gottes Wesen übrig blieb, Gott also bestimmbar 
wurde nur in seiner völligen Unbestimmbarkeit. Diesen Weg, 
der von einem Vorgefundenen Etwas zum Nichts führt und an 
dessen Ende sich Atheismus und Mystik die Hand reichen 
können, beschreiten wir nicht, sondern den entgegengesetzten 
vom Nichts zum Etwas. Unser Ziel ist kein negativer, sondern 
im Gegenteil ein höchst positiver Begriff. Wir suchen Gott, 
gleich wie späterhin die Welt und den Menschen, gerade nicht 
innerhalb eines einen und allgemeinen All als einen Begriff 
unter andern; wollten wir das, dann allerdings wäre die 
negative Theologie des Cusaners oder des Königsbergers das 
einzig wissenschaftliche Zielt denn dann wäre das Negative 
schon im Ausgangspunkt des Denkens als das Ziel festgelegt; 
ein Begriff, unter andern ist stets negativ, mindestens gegen 
andre; und macht er den Anspruch auf Unbedingtheit, so kann 
ihm die Wissenschaft nur dienen mit unbedingter — Nichtig 
keit. Aber eben jene Voraussetzung des einen und allgemeinen 
Alls haben wir aufgegeben. Wir suchen Gott, wie späterhin 
Welt und Mensch, nicht als einen Begriff unter andern, 
sondern für sich, auf sich allein gestellt, in seiner — wenn 
der Ausdruck nicht mißverständlich ist — absoluten Tatsäch
        

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