Full text: Der Stern der Erlösung

DAS FEUER ODER DAS EWIGE LEBEN 
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gossen ist, macht sein Leben unfruchtbar; seine Heiligkeit 
hindert es, seine Seele an die noch ungeheiligte Welt der Völ 
ker hinzugeben, mag es dieser Welt noch so sehr mit dem 
Leibe verhaftet sein. Es muß sich der vollen, der tätigen Teil 
nahme an ihrem Leben mit seinen täglich abschließenden Lö 
sungen aller Widersprüche versagen. Es darf die Lösung der 
Widersprüche im Heute nicht anerkennen, weil es dadurch der 
Hoffnung auf die endliche Lösung der Widersprüche untreu 
werden würde. Es muß, um das Bild der wahren Gemeinschaft 
unversehrt zu erhalten, sich die Befriedigung verbieten, die 
den Völkern der Welt fortwährend im Staate wird. Denn der 
Staat ist die immer wechselnde Form, unter der die Zeit sich 
Schritt für Schritt der Ewigkeit zubewegt. Im Gottesvolk ist 
das Ewige schon da, mitten in der Zeit. In den Völkern der 
Welt ist reine Zeitlichkeit. Aber der Staat ist der notwendig 
immer zu erneuernde Versuch, den Völkern in der Zeit Ewig 
keit zu geben. Wie er das unternehmen kann, das werden wir 
sehen. Aber daß er es unternimmt und unternehmen muß, das 
macht ihn zum Nachahmer und Nebenbuhler des in sich selber 
ewigen Volkes, das kein Recht auf seine eigene Ewigkeit mehr 
hätte, könnte der Staat erreichen, wonach er langt. 
Ein Kreislauf, der Kreislauf des Jahres, versichert das 
ewige Volk seiner Ewigkeit. Die Völker der.Welt sind in sich 
ohne Kreislauf; ihr Leben rollt in breitem Strome talwärts. 
Soll ihnen vom Staat her Ewigkeit kommen, so muß der Strom 
aufgehalten, zum See gestaut werden. Aus dem reinen Ablauf 
der Zeit, dem die Völker an sich hingegeben sind, muß der 
Staat einen Kreislauf zu machen suchen; den dauernden 
Wechsel ihres Lebens muß er in Erhaltung und Erneuerung 
umformen und so einen Kreislauf hineinbringen, der in sich die 
Fähigkeit hätte, ewig zu sein. Zwischen Erhaltung und Erneue 
rung setzt das Leben einen scheinbar unversöhnlichen Zwist. 
Es will nur Wechsel. Das Gesetz des Wechsels verbietet, daß 
etwas, was beharrt, sich wandle wie auch daß sich im 
Wechsel etwas erhalte. Das Leben kann entweder nur Ruhe 
sein oder nur Bewegung. Und da die Zeit nicht abgeleugnet
        

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