Full text: Der Stern der Erlösung

DAS FEUER ODER DAS EWIQE LEBEN 
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fiel. Unmittelbar aber taucht die Gemeinde in jenes Gefühl in 
dem Gebet, das auch sonst schon sich ganz verliert in die Ver 
heißung des künftigen Augenblicks, wo sich vor Gott beugen 
wird jegliches Knie, wo aller Götzendienst geschwunden sein 
'wird von der Erde, wo die Welt befestigt wird im Reich 
Gottes und alle Kinder des Fleisches Seinen Namen rufen, alle 
Frevler der Erde zu Ihm sich kehren und Alles das Joch Sei 
nes Reiches aufnimmt. Über diese sonst alltäglich den Schluß 
des Gottesdienstes bildende Fassung wächst das Gebet an 
den gewaltigen Tagen hinaus; jenes Flehen um die Herbei 
führung der Zukunft ist da in das Hauptgebet hineingenommen, 
das an diesen Tagen mit gewaltigen Worten schreit nach dem 
Tag, wo alles Geschaffene in die Knie sinkt und einen einzigen 
Bund bildet, Gottes Willen zu tun mit einem ganzen Herzen. 
Aber das Schlußgebet, das schon alltäglich diesen Schrei aus 
stößt, schweigt an diesen großen Tagen den Schrei und er 
greift schon in der Gegenwart, im vollen Bewußtsein, daß die 
eigne Gemeinde noch nicht der Eine Bund alles Geschaffnen 
ist, den Augenblick der ewigen Erlösung: und was die Ge 
meinde sonst im Jahre nur sagt, hier tut sies: sie fällt aufs 
Angesicht vor dem König aller Könige. 
So stellen die gewaltigen Tage, der Neujahrstag und der 
Tag der Versöhnung, die ewige Erlösung mitten in die Zeit. 
Die Posaune, die am Neujahrstag auf der Höhe des Fests ge 
blasen wird, macht ihn zum »Tag des Gerichts«. Das Gericht, 
das sonst in die Endzeit gelegt wird, hier wird es unmittelbar 
in den gegenwärtigen Augenblick gesetzt. Nicht die Welt des 
halb kann es sein, die gerichtet wird, — wo wäre sie denn 
schon in dieser Gegenwart! Sondern das Gericht richtet über 
den Einzelnen. Jedem Einzelnen wird nach seinem Tun sein 
Schicksal bestimmt. Am Neujahrstag wird ihm das Urteil für 
das vergangne und kommende Jahr geschrieben und am Ver 
söhnungstag, wenn die letzte Frist dieser »zehn Bußtage« ver 
strichen, gesiegelt. Das Jahr wird ganz und gar zum vollgül 
tigen Stellvertreter der Ewigkeit. In der jährlichen Wieder 
kehr dieses, des »jüngsten« Gerichts ist die Ewigkeit von aller
        

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