Full text: Der Stern der Erlösung

DAS FEUER ODER DAS EWIGE LEBEN 
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Ausdruck gefunden; auch das Gebet, das vornehmlich das 
Gebet dieser dreifachen Heiligung ist, das Raddisch, hat ja hier 
seine biblische Quelle: und Ich erhöhe mich und heilige mich 
und tue mich kund vielen Völkern, auf daß sie erkennen, daß 
Ich der Ewige bin. 
So wird das Hüttenfest als das Fest der Ruhe des Volks 
zugleich das Fest der höchsten Hoffnung. Aber doch eben 
schon der Ruhe selber nur als einer Hoffnung. Die Erlösung 
ist in diesem Fest der Erlösung nicht gegenwärtig; sie wird 
nur erhofft, sie wird im Wandern erwartet. So kann dies 
Fest, eben weil es die Erlösung noch nicht in ihrem eigenen 
Reich, sondern bloß vom Berge der Offenbarung aus sieht und 
sehen läßt, noch nicht das letzte Wort sein. Wie der Sabbat 
wieder in den Werktag mündete, so muß dieser Schluß des 
geistlichen Jahrs, ohne sich erst einmal als Schluß ausleben zu 
dürfen, unmittelbar wieder in den Anfang hineinlaufen. Unmit 
telbar aus dem letzten Wort der Thora geht am Fest der 
Thorafreude wiederum das erste hervor; und der Greis, der 
in der Gemeinde Namen dieses Übergangs waltet, heißt nicht 
»Gatte«, sondern in alle Ewigkeit nur »Bräutigam der Thora«. 
Nicht umsonst doch ist grade dem Hüttenfest das Buch des zer 
setzenden Zweifels, der Prediger, zugeordnet. Die Ernüchte 
rung, die dem Sabbat in dem Augenblick, wo sein Duft zum 
letzten Mal eingeatmet wurde, folgt, wenn der Wochentag 
sich wieder in alter ungebrochner Macht ankündigt, — hier ist 
sie durch die Verlesung des Predigerbuchs gewissermaßen ins 
Fest selbst hineingenommen. Das Hüttenfest ist, obwohl es 
die Erlösung zur Ruhe feiert, doch noch das Fest der Wüsten 
wanderung. In den Festen der Gemeinsamkeit des Volks im 
gemeinsamen Mahl so wenig wie in denen des gemeinsamen 
Hörens ist der Mensch schon in die Gemeinsamkeit des letzten 
Schweigens eingekehrt. Uber der bloßen Gründung der 
Gemeinschaft im ge'meinsamen Wort wie über ihrer bloßen 
Auswirkung im gemeinsamen Leben muß es noch ein Höheres 
geben, und sei dies Höhere auch an der äußersten Grenze der 
Gemeinschaft gelegen und eine Gemeinsamkeit jenseits des 
gemeinsamen Lebens.
        

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