Full text: Der Stern der Erlösung

DRITTER TEIL: ERSTES BUCH 
den Himmel durchscheinen läßt. Da mag sich das Volk 
erinnern, daß auch das Haus des jeweils heutigen Tags, mag 
es noch so sehr zur Ruhe und zum sichern Wohnen verlocken, 
doch nur ein Zelt ist, das vorübergehende Rast erlaubt auf der 
langen Wanderung durch die Wüste der Jahrhunderte; denn 
erst am Ende dieser Wanderung winkt die Ruhe, von der der 
Erbauer des ersten Tempels einst, wie eben an diesem Fest 
verlesen wird, sagte: Gepriesen sei, der seinem Volke 
Ruhe gab. 
Daß solcher Doppelsinn der Sinn dieses Festes ist, daß es 
ein Fest der Erlösung nur innerhalb der drei Feste der Offen 
barung ist und die Erlösung deshalb hier nur als Hoffnung und 
Gewißheit der zukünftigen Erlösung gefeiert wird, während es 
an die Feste der in wirklicher Ewigkeit gegenwärtigen 
Erlösung zwar nachbarlich im gleichen Monat angrenzt, aber 
nicht mit ihnen zusammenfällt, das lehren wiederum, wenn 
solcher Beweis noch nötig sein sollte, die Prophetenabschnitte, 
die an ihm verlesen werden. Am ersten Tag ist es das ge 
waltige Schlußkapitel Sacharia vom Tag des Herrn mit der 
Weissagung, die den täglichen Gottesdienst beschließt: Und 
Gott wird König sein über die ganze Erde; an jenem Tag wird 
Gott Einer sein und sein Name: Einer. Gleichwie dies höchste 
Wort der Hoffnung alle Tage das letzte Wort der versam 
melten Gemeinde ist, so steht es auch am Schluß des geistlichen 
Jahrs. Ihm gesellen sich an den andern Tagen des Fests die 
Worte Salomos bei der Tempelweihe, wo das wandernde Hei 
ligtum der Bundeslade endlich zur Ruhe kommt, zu der das 
Volk schon unter Josua kam, und wo das letzte Wort in 
wunderbarem Miteinander die Hoffnung auf die einstige Er 
kenntnis »aller Völker der Erde, daß der Ewige Gott ist und 
keiner sonst« zusammenbringt mit der Mahnung an das eine 
Volk: es sei euer Herz »ganz« mit dem Ewigen. Und eben 
dieses tatgetragene Ineinander von Herzenseinheit, Gottes 
einheit und Völkereinheit, wie es in dem Begriff der Heiligung 
des göttlichen Namens durch das Volk für die Völker den 
innersten Grund des Judentums bildet, hat in dem Hesekiel- 
abschnitt dieses Fests an mehreren Stellen seinen klassischen
        

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