Full text: Der Stern der Erlösung

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DRITTER TEIL: ERSTES BUCH 
Augenblick und Tag des eigentlichen Empfangens der Offen 
barung die breiten Festzeiten gelagert, in denen das Volk sich 
seiner Bestimmung zum Offenbarungsempfänger bewußt wird; 
diese Bestimmung entfaltet sich in den drei Stufen seiner 
Schöpfung zum Volk, seiner Begabung mit dem offenbarten 
Wort, seiner Wanderung mit der empfangenen Thora durch 
die Wüste der Welt. Um den Doppeltag des Wochenfestes 
liegen die achttägigen Feierzeiten des Fests der Befreiung aus 
Egypten und des Fests der Laubhütten. In diesen dreien 
schreitet über den gewissermaßen naturhaft ewigen Boden des 
Jahrs mit seinen Sabbaten der Schritt der ewigen Geschichte. 
Denn nur scheinbar sind es Feste der Erinnerung; in Wahrheit 
ist das Geschichtliche in ihnen ganz dichte Gegenwart, und es 
gilt für sie alle, was jedem Teilnehmer an dem ersten gesagt 
wird: er müsse das Fest feiern, als sei er selber es, der aus 
Egypten befreit worden. Anfang Mitte und Ende dieser natio 
nalen Geschichte, Stiftung, Höhe und Ewigkeit des Volks — mit 
jedem neuen Geschlecht, nein mit jedem neuen Jahrgang und 
mit jedem neuen Jahre der alten werden sie neu geboren. 
Die Schöpfung eines Volks zum Volk geschieht in seiner 
Befreiung. So ist das Fest des Anfangs der nationalen 
Geschichte ein Befreiungsfest. Mit Recht konnte deshalb schon 
der Sabbat sich geben als eine Mahnung an den Auszug aus 
Egypten. War doch die Freiheit des Knechts und der Magd im 
Volk, die er verkündet, bedingt durch die Befreiung des Volks 
als Volk aus dem Diensthause Egypten, und erneuert doch das 
Gottesgesetz bei jedem Befehle, die Freiheit auch des Knechts, 
auch des Fremdlings im Volk zu achten, das Bewußtsein dieses 
Zusammenhangs der gottgewollten Freiheit im Volk mit der 
gottgewirkten Befreiung des Volks aus egyptischer Knecht 
schaft. Auch die Schöpfung des Volks trägt so, gleich der 
Schöpfung überhaupt, schon in sich das letzte Ziel, den letzten 
Zweck, um dessentwillen sie geschah. Und dem Gefühl des 
Volks ist darum dies Fest unter den dreien das lebendigste 
geworden; es trägt in sich den Sinn auch der beiden andern.
        

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