Full text: Der Stern der Erlösung

DAS FEUER ODER DAS EWIGE LEBEN 
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Magd müssen ruhen, ja grade um ihrer Ruhe willen, heißt es, 
sei der Ruhetag eingesetzt; denn wenn die Ruhe auch bis zu 
ihnen gedrungen ist, dann wird in Wahrheit das ganze Haus 
vom geschwätzigen Lärm der Werktage zur Ruhe erlöst sein. 
Erlösung soll die Ruhe bedeuten, nicht Sammlung zu neuer 
Arbeit. Die Arbeit ist allemal wieder ein Anfang; der erste 
Werktag ist der erste Tag der Woche, der Ruhetag aber der 
siebente. Das Fest der Schöpfung ist das Fest der Vollendung. 
Indem wir es feiern, treten wir in der Schöpfung über Schöp 
fung und Offenbarung hinaus. Im großen Gebete am Sabbat 
entfallen jene ganzen mittleren Bitten um die »Bedürfnisse des 
Einzelnen«, nicht bloß die Bitten des Geschöpfs wie die um 
gutes Jahr und Gedeihen der Feldfrucht, um Gesundheit, eigne 
Einsicht und gutes Regiment, sondern auch die des Gottes 
kindes um Vergebung seiner Sünden und um endliche Erlösung; 
und es bleibt außer der Bitte um Kommen des Reichs und um 
Frieden, die Bitten des Einzelnen sind wie Bitten der Gemein 
schaft, nur Lob und Dank. Denn am Sabbat fühlt sich die 
Gemeinde, soweit sie es in solcher Vorwegnahme irgend kann, 
als erlöste — heute schon. Der Sabbat ist das Fest der Schöp 
fung, aber einer Schöpfung, die um der Erlösung willen 
geschah. Er ist offenbart am Ende der Schöpfung und als der 
Schöpfung Sinn und Ziel. Deswegen feiern wir das Fest des 
uranfänglichen Werks nicht am ersten Schöpfungstag, sondern 
an ihrem jüngsten, — am siebenten Tag. 
D as schweigende Hören war nur der Anfang der Gemein 
schaft. Sie wurde darin gestiftet, und wie stets war auch 
hier die ursprüngliche Stiftung das, worauf dauernd zurück 
gegriffen werden mußte, um durch solch zum Sammeln Blasen 
immer wieder aus des Ursprungs Tiefen neue Kraft zu 
schöpfen. Aber die seelenhafte Lebendigkeit der Gemeinschaft 
kann nicht schon in diesem ihrem Ursprung, nicht im schwei 
genden Hören, beschlossen sein. Dieses Leben wird geboren 
erst in einer Erneuerung, die nichts weiter ist als Erneuerung, 
nicht bloße Wiederholung des einmal geschaffenen Anfangs,
        

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