Full text: Der Stern der Erlösung

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ERSTER TEIL: EINLEITUNG 
in die Kant der Dialektiker die Gegenstände der drei »ratio 
nalen Wissenschaften« seiner Zeit, der rationalen Theologie, 
Kosmologie und Psychologie, zerkritisiert hat. Nicht als 
Gegenstände rationaler Wissenschaft denken wir sie wieder 
herzustellen, sondern gerade umgekehrt als »irrationale« 
Gegenstände. Als Mittel zur ersten Absteckung ihrer Orte 
diente uns die Methode, die in der Vorsilbe »meta« bezeichnet 
ist: nämlich die Orientierung an dem rationalen Gegenstand, 
von dem sich der gesuchte irrationale abstößt, um sein irra 
tionales Sein zu gewinnen: also für den Menschen die Orien 
tierung an dem Menschen, welcher Gegenstand der Ethik, für 
die Welt die an der Welt, welche Gegenstand der Logik, für 
Gott die an dem Gott, welcher Gegenstand der Physik ist. 
Das konnte wirklich nichts weiter als Mittel der ersten Ab 
steckung sein. Die Erschließung der so abgesteckten Gebiete 
muß anders geschehen. Von den Nichtsen des Wissens stößt 
unsere Entdeckerfahrt vor zum Etwas des Wissens. Wir sind 
noch nicht sehr weit, wenn wir beim Etwas angekommen 
sind. Aber immerhin: Etwas ist mehr als Nichts. Was jen 
seits des Etwas liegen mag, das können wir von da aus, wo 
wir jetzt uns finden, vom Nichts her, überhaupt noch nicht 
ahnen. 
Daß das leere Sein, das Sein vor dem Denken, in dem 
kurzen kaum greifbaren Augenblick, ehe es Sein für das 
Denken wird, dem Nichts gleich sei, das gehört ebenfalls zu 
den Erkenntnissen, die die ganze Geschichte der Philosophie 
von ihren ersten Anfängen in Jonien bis zu ihrem Ausgang in 
Hegel begleiten. Dies Nichts blieb ebenso unfruchtbar wie 
das reine Sein. Die Philosophie hub erst an, wo sich das 
Denken dem Sein vermählte. Eben ihr versagen wir, und 
eben hier, unsre Gefolgschaft. Wir suchen nach Immer 
währendem, das nicht erst des Denkens bedarf um zu sein. 
Deshalb durften wir den Tod nicht verleugnen und deshalb 
müssen wir das Nichts, wo und wie es uns begegnen mag, 
aufnehmen und zum immerwährenden Ausgangspunkt des 
Immerwährenden machen. »Das« Nichts darf uns nicht
        

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