Full text: Der Stern der Erlösung

DRITTER TEIL: EINLEITUNG 
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des jungen Goethe wäre kaum unterschieden von dem Gebet 
Moses des Mannes Gottes: ja das Werk unsrer Hände wollest 
du fördern. Und ist doch verschieden von ihm — so ver 
schieden wie die beiden letzten Gestalten des Gebets, die wir 
nun finden werden. Das Gebet Goethes, des Mannes des 
Lebens, geht an sein eigenes Glück, ihm legt er das Tagwerk 
der eigenen Hände zu Füßen und bittet, daß er selber es vol 
lenden möge. Das ist das Gebet, das dieser große Beter in 
immer neuen Worten Jahre und Jahrzehnte lang wiederholt 
hat, bis ihm große sichtbare Erfüllung wurde. Was ists mit 
diesem Gebet des Menschen zum eigenen Schicksal? Wer ist 
dies Schicksal, vor dem er das freie Haupt demütig neigt und 
vor dem sein Herz auf die Kniee fällt? 
Es wäre eine unzulässige Umdeutung, wenn man im 
»Schicksal« etwa nur einen Verlegenheitsausdruck für den 
göttlichen Erhörer des Gebets, zu dem alles Fleisch kommt, 
sehen wollte. Nein, zu diesem Schicksal kommt nicht alles 
Fleisch und legt ihm das Werk seiner Hände vor, sondern nur 
ein einsamer Einzelner tritt vor es hin, und nur einem ein 
samen Einzelnen ist es Erhörer des Gebets, nur ihm und 
keinem andern. Es ist ein Schicksal, so persönlich wie der 
Beter selbst, ja es ist eben des Beters persönliches Schicksal. 
Und sollte dieses Gebet erfüllt werden? sollte es zur an 
genehmen Zeit gesprochen werden können? Ist es nicht ein 
Verwandter des Gebets, das um das Eigene betet und das 
stets zu spät kommt? dessen Gnadenzeit in dem Augenblick 
liegt, da die Welt ward? und das nimmermehr erfüllt wird, 
weil es schon erfüllt war vor aller Bitte? Aber nein — betet 
es denn um das Eigene? Betet es nicht vielmehr im Eigenen? 
Ob Eigenes oder Fremdes seinem Leben und seiner Liebe zum 
Inhalt wird, das kümmert diesen Beter wenig. Ihm geht es 
nur darum, daß, was auch kommt, in sein Leben münde, daß 
alles, Eignes wie Fremdes, Fremdes wie Eignes, alles ihm im 
Heiligtum seines eigenen Schicksals darzubringen vergönnt 
sein möge. Darum betet er. Er verlangt mit nichten, sein 
Eigenes zu bewahren; er ist wohl bereit, sich ins Draußen zu
        

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