Full text: Der Stern der Erlösung

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ERSTER TEIL: EINLEITUNG 
einerseits und dem sich Einordnen des Logischen in sie an 
drerseits. Die Wahrheit ist für die Welt nicht Gesetz, son 
dern Gehalt. Die Wahrheit bewährt nicht die Wirklichkeit, 
sondern die Wirklichkeit bewahrt die Wahrheit. Das 
Wesen der Welt ist diese Bewahrung (nicht Bewäh 
rung) der Wahrheit. Nach »außen« entbehrt die Welt 
so des Schutzes, den die Wahrheit dem All von Par- 
menides bis Hegel gewährt hatte; sie ist, da sie ihre Wahr 
heit in ihrem Schoße birgt, nach außen ohne diesen Gor* 
gonenschild ihrer Unberiihrbarkeit; sie muß an ihrem Leibe 
geschehen sein lassen, was daran geschehen sein mag, und 
wäre es seine — Schöpfung. Ja, recht vollkommen würden 
wir vielleicht den Begriff der Welt in diesem neuen, meta 
logischen Sinn fassen, wenn wir sie anzusprechen wagten als 
Kreatur. 
Aus dem All war die Einheit gewichen; dem Kunstwerk 
vergleichbar war es nach außen ein einzelnes Eins und nur 
nach innen noch All. So ließ es Platz neben sich. Das 
Logische hatte mit dem Ethischen einst in, wie es schien, un 
aufhörlichem Kampf um die Vorherrschaft gestanden: das 
Metalogische gab dem Metaethischen neben sich Raum. Die 
zum einzelnen Eins geeinte Vielheit und der von Haus aus 
einzelne Eine, als welche sich letzt Welt und Mensch gegen 
über standen, konnten nebeneinander atmen. So war die For 
derung, die wir zuvor im Interesse des Metaethischen stellen 
mußten, erfüllt; das Gemälde hatte sein Desinteressement aus 
sprechen können für den Fall, daß etwa an die gleiche Wand 
auch noch ein Relief gehängt werden sollte; das Fresko hätte 
das nicht gekonnt; aber das Gemälde interessierte sich für 
nichts, was außerhalb der vier Leisten seines Blendrahmens 
lag. Dieser kühle Gleichmut des Gemäldes gegen die Wand, 
ohne die es doch keinen Platz gefunden hätte, ist nun freilich 
der Preis, um den die Miteinanderverträglichkeit von Bild und 
Relief erkauft wird. Das Metalogische konnte nur deshalb 
gegen das Metaethische duldsam sein, weil es dem Logischen
        

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