Full text: Der Stern der Erlösung

VOM ALL 
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nannten. Auch metaethisch sollte ja mitnichten aethisch be 
deuten. Nicht die Abwesenheit des Ethos sollte darin aus 
gesprochen sein, sondern einzig seine ungewohnte Einordnung, 
also jene passive statt der ihm sonst gewohnten impera 
tivischen Stellung. Das Gesetz ist dem Menschen, nicht der 
Mensch dem Gesetz gegeben. Dieser durch den neuen Begriff 
des Menschen geforderte Satz läuft dem Begriff des Gesetzes, 
wie er im Bereiche der Welt als ethisches Denken und 
ethische Ordnung auftritt, zuwider; und deswegen muß dieser 
Menschbegriff als metaethisch bezeichnet werden. Ein ähn 
liches Verhältnis liegt nun auch bei dem neuen Begriff der 
Welt vor. Auch hier soll die Welt nicht als alogisch be 
zeichnet werden. Im Gegenteil: die Stellung, die dem Denken 
seit den Joniern in aller Philosophie, die den Namen verdient, 
zukommt — je meprise Locke, fertigte Schelling Frau von Stael 
ab, als sie ihm englisch kam —, diese Stellung wird von uns 
unbedingt aufrecht erhalten. Aber am Denken selbst, insofern 
es auf die Welt geht, wird ein Charakter entdeckt, der es 
aus der geltenden zur seienden Form der Welt macht: die 
Spezifikation, ja, man könnte sagen, die Kontingenz; das 
Denken wird so — wir haben den krassen Ausdruck nicht 
gescheut — ein »Bestandteil« der Welt, und zwar der wesent 
liche Bestandteil, genau wie zuvor das Ethos als wesent 
licher Bestandteil des Menschen erkannt war. Die Einheit des 
Logischen, auf der, so lange man auch sie und gerade sie 
notwendig in die Welt hineinziehen zu müssen glaubte, die 
Auffassung der Logik als Form, Gesetz, Geltendes beruht 
hatte, diese Einheit wird nur noch als bestimmend für die 
Logik, und zwar nicht »logisch« bestimmend, angesehen. 
Wohin damit die ihrem Begriff gemäße Logik falle, wird hier 
nun freilich dahingestellt gelassen; im Gegensatz zu vorhin, 
wo der begriffsgemäße Platz für die Ethik wegen der ge 
schichtlichen Vollendung der Weltphilosophie leicht festzu 
legen war. Nur daß die Welt, die denkbare Welt, gerade in 
ihrer Lenkbarkeit metalogisch ist, ergibt sich schon mit 
Sicherheit aus diesem Heraustreten des Logischen aus ihr
        

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